Geschrieben von am 30.12.2014 in EKiR, Gemeinde, Gottesdienst, Ökumene, Theologie | 4 Kommentare

Gemeinde zum Lobe Gottes sein

Gemeinde zum Lobe Gottes sein

Die Jahreslosung für 2015 bringt uns ein Bibelwort nahe, mit dem vor zwei Jahrtausenden die Christinnen und Christen in Rom erinnert wurden, Gemeinde zum Lobe Gottes zu sein. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ So lautet die Jahreslosung. Dies geht nur, wenn man einander in aller Unterschiedlichkeit annimmt – modern gesprochen „Inklusion lebt“ – und Christus, dem Liebhaber des Lebens, nachfolgt. Die Gemeinde muss sich im Zusammenleben bewähren.

Paulus ermahnt eindringlich an den Zusammenhalt der Gemeinde zu Rom. Nicht sagt er, man solle zusammen stehen, weil man sich so mag und den gleichen Geschmack, die gleichen Vorlieben teilt. Der Zusammenhalt der Gemeinde gründet sich allein in der Zusammengehörigkeit in Jesus Christus. Er fordert uns Christenmenschen dazu auf, auf das tiefer liegende Gemeinsame zu achten, nicht auf die vordergründigen Unterschiede.

Auch in der Kirche müssen wir lernen, Differenzen, auch Differenzen in Zielen und Methoden auszuhalten. Keiner hat die allein seligmachende Weise, das Evangelium zu verkünden. Wir brauchen einander in unserer Unterschiedlichkeit. Wir sind Kirche nur, wenn wir uns davor hüten, die anderen Aktivitäten in unserer Kirche mit einem negativen Blick zu sehen, wenn wir uns hüten, zu schnell zu bewerten.

Die Jahreslosung hat für mich deshalb auch eine ökumenische Dimension. Sie erinnert mich an eine Predigt von Weihbischof Dr. Helmut Dieser im Ökumenischen Gottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum des Ökumenismusdekrets Unitatis Redintegratio am Mittwoch, 19. November 2014, in der Hohen Domkirche Trier. Er sagte u.a.:  „Nur eine Kirche, in der keine Vorbehalte der Konfessionen gegen das Kirchesein der anderen mehr wirksam sind, kann dieses Evangelium in der Welt glaubhaft machen. Denn wir verkünden dasselbe Evangelium! Darum können wir es uns vor der Welt nicht leisten, dass wir gegeneinander oder ohne einander wahrhaftig Kirche sein wollen.“

Ich möchte Ihnen für die im Jahr 2014 geleistete Arbeit sehr herzlich danken. „Geleistete Arbeit“, das klingt so nüchtern und doch umfasst es sehr viel mehr als nur „die Abwicklung des Alltagsgeschäfts“: Es gab auch im letzten Jahr neue Versuche, Treue und Verlässlichkeit in der wichtigen „Beziehungsarbeit“, lebendig gebliebene „Routine“, den Mut, Neues zu wagen, die Bereitschaft, schwere Wege zu gehen, und die Freude daran, Menschen zum Glauben einzuladen sowie zur Mitarbeit zu motivieren.

Innerhalb unser manchmal schwerfällig wirkenden Kirche gibt es so viel Lebendigkeit, Neuanfänge und Glaubenswege, dass ich ganz sicher bin: Wenn der Herr der Kirche auf sein buntes Volk schaut, sieht er vermutlich viel mehr, als wir vor Augen haben. Das macht Mut. Als Kirche richten wir die Hoffnungen und Visionen auch in Zukunft nicht allein am machbar Erscheinenden aus. Denn die Sachzwänge sind nicht die Hoffnungsperspektive unserer reformatorischen Kirche!

Den Silvesterabend werde ich mit einem Gottesdienst in einer kleinen Kirche am Stadtrand von Wuppertal beginnen. Mir ist wichtig, dankbar das vor Gott zu bringen, was mein Leben im letzten Jahr bereichert und mich erfreut hat. Ich werde in meine Gebete aber auch das einschließen, was nicht gelungen ist oder was mir Mühe macht. Und ich werde gemeinsam mit der Gottesdienstgemeinde Gott das Leid und die Not der Menschen klagen, die unter Terror, Gewalt, Not und Krieg leiden.

Ich wünsche Ihnen und den Menschen, die zu Ihrem Leben gehören, ein gesegnetes neues Jahr! Gott behüte Sie!

Ihr
Manfred Rekowski


4 Kommentare

  1. In aller Unterschiedlichkeit. Das sollte auch für das bunte Bild der Kirchengemeinden in der EKiR gelten, die durch Bürokratielust wie Gemeinsame Verwaltungsämter, Neues kirchliches Finanzmanagement, neue IT-Konzepte u. v. m. bedroht sind! Unsere Landeskirche will die für die Menschen so wichtige Verwaltung auf der Kirchenkreisebene zentralisieren. Eine solche Gleichschaltung der Verwaltungen darf nicht durchgesetzt werden! Die Gemeinden sind die Grundlage der Kirche. Aufgabe der Landeskirche und der Kirchenkreise ist es, ihnen ihr Wirken für Glaubensvermittlung und Seelsorge zu erleichtern. Nicht, ihnen die Arbeit zu erschweren!
    Ceterum censeo: Die Kontaktdaten der Mitglieder der Landessynode sollten, wie in anderen Landeskirchen auch, auf der Seite der Landeskirche abrufbar sein. Nur so kann die Transparenz, die wir doch alle wollen, erreicht werden. Es muss möglich sein, sich unmittelbar an die Synodalen zu wenden. Zurzeit wird dieses Recht nicht gewährleistet.

  2. Sehr geehrter Herr Präses Rekowski,
    für Ihr Anliegen in Zusammenhang mit der Jahreslosung möchte ich mich bei Ihnen bedanken. Vorausgesetzt, wir reden von Unterschiedlichkeit, so möchte ich mit Ihnen gerne konform gehen.
    Wenn wir aber davon reden, dass wir das Böse nicht Gut und umgekehrt nennen wollen, so ist im Römerbrief Kapitel 13 die Stellung zur Staatsgewalt ganz wichtige Orientierungshilfe. Auch für die EKiR. Wenn Gott sein „buntes Volk“ sieht, so wird er in der Tat wohl dann mehr sehen, als wir sehen dürfen. „Keiner hat die allein seligmachende Weise das Evangelium zu verkünden“, nein. Aber Gott wird nicht das Böse mit dem Guten versöhnen. Nein. Auch wenn wir wie Christus einander annehmen. Manche brechen derzeit unter der Last des Kreuzes zusammen. Auch unter der Last der immer wieder zugedrückten Augen vor dem Antlitz des Gekreuzigten. Andere haben schöne Worte und sind leichten Fußes unterwegs.
    Aber wir haben ja gerade Weihnachten gefeiert. Jesus ist gekommen. Er bringt auch das Schwert mit. Und seine eigene Hausgenossen werden seine Feinde. Wer zieht mit ihm?
    Keiner hat die allein seligmachende Weise.
    Selig seid Ihr, wenn Ihr Leiden merkt, selig seid Ihr, wenn ihr ehrlich…bleibt?
    Guten Rutsch!

  3. Lieber Manfred Rekowski, auch Ihnen und Ihrer Familie von Herzen meine Glück- und Segenswünsche für 2015.

    Sie sprechen von der Gemeinde Jesu Christi. Richtig. Und diese Gemeinde muss im Rahmen der presbyterial-synodalen Ordnung wieder gestärkt werden.

    Die „Stuhlkreise“, wie sie Herr Dr. Gundlach abwertend nennt, sind wichtiger für die Verkündigung des Wortes Gottes als NKF und Verwaltungsstrukturreform. Und sie sind wichtiger als alle Wasserköpfe in den ökonomischen Tempeln von EKD und aller Landeskirchen.

    Der Herr unser Gott hat uns Seinen Sohn gesandt, damit wir Seine Liebe erfahren. Jesus Christus hat Liebe nicht nur gepredigt, er hat Liebe gelebt.

    Und er hat die ökonomischen Ganoven, die es damals wie heute gab und gibt, aus dem Tempel gejagt. Wenn man einem bekannten Bild glauben darf, sogar mit der Peitsche.

    Sie werden vermutlich Ihre Silvesterpredigt beenden mit den Worten: „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen“

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die kommenden Entscheidungen Augenmaß, Weitblick und Empathie. Und all das ist nichts ohne den Segen Gottes, den wir für uns erbitten.

    Herzliche Grüße Ihr Gerhard Niemeyer

  4. Herzlichen Dank für den verantwortungsvollen Dienst im vergangenen Jahr. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Gottes Segen für die kommenden Aufgaben z.B. bei der Landessynode.

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