Christinnen und Christen in Nahost brauchen unsere Solidarität

22. April 2017 von Manfred Rekowski

Christinnen und Christen gehören mittlerweile zu der weltweit am meisten verfolgten Religionsgemeinschaft. Das ist nicht erst seit den Anschlägen auf die koptischen Christen in Ägypten vor diesem Osterfest so. Über Generationen haben sie dort in guter, friedlicher Nachbarschaft mit der muslimischen Mehrheitsbevölkerung gelebt. Auch in anderen Ländern des Nahen Ostens sieht es für Menschen, die sich zu Jesus Christus halten, finster aus: etwa im Irak und in Syrien. Das Christentum hat rund um seine Wiege im Heiligen Land eine lange Tradition, die aber inzwischen durch Gewalt und Terror vor ihrem endgültigen Abbruch steht.

Was dort passiert, ist aber nicht etwa ein Religionskrieg. Hier geht es um die politische Ideologie des Islamismus, dessen Vorkämpfer sich zwar auf Allah und den Propheten berufen, denen es aber nicht um Religion geht, sondern um Politik, Terror und Destabilisierung. Die Bombenleger und Terroristen sind brutale Verbrecher. Ihnen kommt es nur auf die politische Macht an. Ihr mörderisches Tun, mit dem sie Angst und Schrecken verbreiten, vermischen sie mit religiösen Elementen. Religion wird zur Nebelkerze.

Umso nötiger ist es klar zu sehen: Christinnen und Christen in Nahost und an all den anderen Orten, an denen sie verfolgt werden, brauchen unsere Solidarität, unsere Unterstützung und unsere Fürbitte. Sie brauchen unseren Einsatz, weil sie – obschon weit weg – unsere Nächsten sind. Christen setzen sich übrigens nicht nur für ihre „Glaubensgenossen“ ein, sondern für die Religionsfreiheit aller Menschen. Und zur christlichen Religion gehört es wesentlich, dass Christenmenschen in aller Welt immer wieder danach fragen, wer ihr Nächster, wer ihre Nächste ist. Dabei fragen sie nicht nach Religion, Konfession oder Weltanschauung. Sie wenden sich dem zu, der Hilfe und Unterstützung braucht – egal ob in fernen Ländern oder vor der eigenen Haustür. Ganz so wie Jesus Christus, auf den sie sich berufen, es vorgelebt hat.  Angesichts der grausamen Verfolgung an vielen Orten dieser Welt ist es alles andere als einfach, an dieser Hinwendung zum Nächsten festzuhalten. Aber die unbedingte Liebe, die Jesus Christus uns ins Stammbuch geschrieben hat, ist notwendig. Im Wortsinn. Die Welt hat das bitter nötig.

Eine Antwort auf „Christinnen und Christen in Nahost brauchen unsere Solidarität“

  1. Die Unterscheidung zwischen Islamismus und Islam kann auf Dauer nicht die Aufgabe kirchlicher Repräsentanten sein. Dafür sind in erster Linie die Muslime selbst zuständig. Sie sollte sie in Form einer unmissverständlichen, öffentlichen Distanzierung vom Terror erfolgen.
    Die hier beschworene, scharfe Trennung zwischen islamistischem Terror und friedlich koexistierender Mehrheitsbevölkerung widerspricht den Fakten. Der islamistische Terror ist umgeben von einem Netz islamischer Unterstützung. Diese reicht vom heimlichen Sympathisantentum über den offen gepredigten Hass bis hin zu Waffenlieferungen an den IS. Der Koran selbst wertet die „biederen“ Muslime gegenüber den kriegführenden an zahlreichen Stellen ab (Sure 4,95 u.ö.) und verpflichtet sie zur Unterstützung der Kämpfer.
    Ein der Solidarität mit den verfolgten Christen verpflichteter Dialog mit dem Islam wird zwei Themen bzw. Bitten ganz oben auf die Agenda setzen: Bitte distanziert euch von allen im Namen eurer Religion verübten Gräueltaten. Bitte werft eure Beziehungen zu euren Heimatländern in die Waagschale, um den Christen dort ein Leben in zu ermöglichen, wie ihr es hier als Muslime auch führen könnt.

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