EKD-Synode: Ich bin dankbar für eine klare Entscheidung

9. November 2016 von Manfred Rekowski

Die Synode der EKD hat auf Ihrer Tagung in Magdeburg nach intensiven Beratungen  – heute am 9. November – der Judenmission eine Absage erteilt:

„Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“

Theologisch wird dies mit der bleibenden Erwählung Israels begründet, einer Einsicht, die bereits 1980 von der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland in ihrem Beschluss zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden formuliert wurde und seither breite Resonanz in anderen Kirchen fand. Ich freue mich sehr über die klare Entscheidung der EKD-Synode, zumal es auch im Blick auf die Judenmission eine lange und furchtbare christliche Schuldgeschichte gibt:

Bei der Übergabe einer christlichen Kirche, der Kreuzkapelle, an eine Synagogengemeinde in Köln wurde mir das im Februar 2016 sehr eindrücklich bewußt. Ich erfuhr, dass die Judenmission in den ersten Jahren der Nazizeit intensiviert wurde. Das „Zentrum der rheinisch-westfälischen Judenmission“ in der Kölner Moltkestraße wurde personell aufgestockt. Juden wurden getauft. Doch als der staatliche Druck zunahm, wurden sie von Mitchristen fallengelassen und von Mitchristen dem Tod preisgegeben.

1938 wurde die Kreuzkapelle zur „Kirchlichen Hilfsstelle für evangelische Nichtarier“ erklärt. Neben diakonischer Hilfe für getaufte Juden wurden aber auch, „mit Sakrament und Segen der Kirche  …  ganze jüdische Familien zur Vernichtung gottesdienstlich verabschiedet.“

Das Nein zur Judenmission verbindet sich also auch mit unserer Verantwortung nach der Shoa. Begründet ist es aber in unseren biblischen Texten. Weil es dort eben keine Mission für die nichtjüdischen Völker gibt, das Volk Israel zu Gott zu bekehren. Im Gegenteil. Von Israel und von Juden lernen wir Menschen der Völkerwelt über JHWH, den Gott Israels, der auch der Schöpfer der Welt und Vater Jesu Christi ist. Judentum ist aus unserer Sicht theologisch nicht defizitär. Auch ohne Christus-Bekenntnis nicht.

An der Debatte in Magdeburg hat mich darüber hinaus das grundsätzliche Nachdenken über „Mission“ sehr angeregt. Der Theologe Fulbert Steffensky hat Mission einmal so definiert:

„Mission ist Reden von dem, was man liebt“.

Ich gehöre zu einer Kirche, die missionarisch Volkskirche sein will. Wir diskutieren aktuell sehr intensiv, was dies in einer multireligiösen Gesellschaft bedeuten kann. Zu klären ist dabei insbesondere, wie wir unser Verhältnis zum Islam theologisch verstehen.

Dazu dient u.a. das Diskussionspapier „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“, das lebhafte Debatten in unserer Kirche ausgelöst hat. Im Januar 2018 wird die Landessynode in Bad Neuenahr eine Positionierung vornehmen, die hoffentlich klärende und orientierende Wirkung haben wird. Es geht dabei wiederum um theologische Fragen, aber es geht auch darum, wie wir das friedliche Zusammenleben Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit in unserer Gesellschaft gestalten wollen.

Zur Religionsfreiheit, einem wichtigen Menschenrecht, gehört selbstverständlich das Recht, seine eigene Religion aufzugeben und sich einer anderen Religion anzuschließen. Doch Proselytismus, das aktive „Abwerben“ Menschen anderer Religion und der Versuch, sie zum Eintritt in die eigene Religionsgemeinschaft zu bewegen, gehört grundsätzlich nicht zum Programm unserer Kirche. Sehr wohl reden wir aber offen und öffentlich von dem, was wir lieben: von unserem Glauben an Christus. Und dabei kommt es immer wieder vor, dass Menschen anderer Religionen mehr über den christlichen Glauben erfahren wollen, sich einer Gemeinde anschließen und sich taufen lassen. Das geschieht, wenn wir einladend und überzeugend von dem reden, was wir lieben.

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