Gemeinsam gegen Antisemitismus

25. April 2018 von Manfred Rekowski

Heute Abend werde ich leider in Köln nicht dabei sein können, wenn sich hoffentlich sehr viele Menschen an der Solidaritätsaktion Köln trägt Kippa beteiligen werden. Antisemitismus ist ein erschreckend aktuelles Thema. Im Januar habe ich dazu vor der Landessynode in Bad Neuenahr gesagt: „Antisemitismus hat giftig-welterklärenden Charakter. Antisemitismus ist eine geschichtsmächtige destruktive Kraft. Schon wieder und immer noch. Die Aufgabe, dem Antisemitismus entgegenzutreten, ist nicht delegierbar an die Jüdischen Gemeinden, sondern das ist Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit. Wo immer Jüdinnen und Juden zu Opfern werden, nimmt auch unsere Gesellschaft Schaden.“  Die Anregung, die unsere Kirche gemeinsam mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden Nordrhein vertritt, Antisemitismus-Beauftragte bei den Landesregierungen einzurichten, findet, wie ich am Montag in Saarbrücken erfuhr, nun auch im Saarland positive Resonanz.

Die Evangelische Kirche im Rheinland engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für ein gutes christlich-jüdisches Miteinander. In der Grundordnung unserer Kirche knüpfen wir ausdrücklich an das Judentum als bleibenden Wahrheitsraum auch unseres christlichen Glaubens an und lehnen Judenmission ab. Seit mehr als fünfzig Jahren unterstützen wir Versöhnungsprojekte in Israel, wie z. B. (Nes Ammim) und haben vor 15 Jahren in Wuppertal ein Grundstück für den Bau der Bergischen Synagoge zur Verfügung gestellt. Regelmäßig organisieren wir Begegnungen und gemeinsame Studien von Christen und Juden, Israelis und Palästinensern. Die Frage nach einer Perspektive für ein friedliches Zusammenleben in Israel/Palästina bewegt auch uns sehr. 2016 haben wir als Landessynode beschlossen:

1. Die Evangelische Kirche im Rheinland erinnert an ihre landessynodalen Beschlüsse, in denen die Solidarität mit dem Staat Israel und das Eintreten für seine Sicherheit seit vielen Jahrzehnten unzweifelhaft zum Ausdruck gebracht wird. Allen Formen von Israelfeindschaft und Delegitimierung des Staates Israel tritt die Evangelische Kirche im Rheinland entschieden entgegen.

2. Sie erinnert zugleich an die völkerrechtlich verbindliche Beschlusslage, der zufolge ein in Sicherheit lebender Staat Israel und ein palästinensischer Staat nebeneinander in Frieden und Sicherheit und gegenseitiger Anerkennung ihrer staatlichen Souveränität und Integrität bestehen sollen („Zwei-Staaten-Lösung“). Für diesen Prozess ist die internationale Anerkennung auch der palästinensischen Eigenstaatlichkeit notwendig, die einen nachhaltig wirkenden Friedensprozess vorantreiben kann.

Über diese Fragen diskutieren wir seither auch sehr intensiv mit unseren jüdischen Gesprächspartnerinnen und -partnern aus Nordrhein-Westfalen. Unübersehbar ist dabei, dass die geschichtliche und politische Situation in Israel zum Teil sehr unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. Um hier weiterzukommen, hat unsere Kirche eine gemeinsame Reise mit dem Vorstand des Landesverbandes der jüdischen Kultusgemeinden nach Israel vorgeschlagen und der Landesverband hat dem zugestimmt. So haben wir für unsere gemeinsame Reise zu „70 Jahre Staat Israel“ miteinander ein spannendes Programm mit zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten untereinander und mit Gesprächspartnern in Israel entworfen und organisiert. Auch wenn diese Reise nun bedauerlicherweise vom Landesverband kurzfristig abgesagt wurde, so verlangt der Dialog doch eine Fortsetzung. Wir freuen uns, dass auch der Landesverband trotz seiner Absage deutlich gemacht hat, dass wir solche Wege auch in Zukunft weiter gemeinsam suchen werden.

3 Antworten auf „Gemeinsam gegen Antisemitismus“

  1. Ich stimme Herrn Dion uneingeschränkt zu. Und zu Herrn Grefens „ganz und gar parteilichen Solidarität“ mit dem Staat Israel kann ich nur sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christus von mir erwartet, dass ich mir angesichts des vieltausendfachen Unrechts, das die gegenwärtige Regierung des Staates Israel begeht, das Denken und Mitfühlen abgewöhne. Israel definiert hinter dem Gaza-Grenzzaun, also auf palästinensischem Gebiet, einen 100m breiten Streifen, der nich betreten werden darf. Wer ihn dennoch betritt, gilt – auch unbewaffnet – als Angreifer und darf erschossen werden. Quelle: die israel. Justizministerin in einem Interview in etlichen westlichen Medien. Das soll kein Unrecht sein ??? Das darf ich nicht kritisieren ??? Und das ist nur e i n Beispiel. Dem kommen wir doch mit allerlei ideologischen Bedchwörungsformeln nicht bei. Auch wenn unsere Kirche dies bedauerlicherweise immer wieder versucht hat. Und wenn vielleicht mal nicht, folgt die „Strafe“ auf dem Fuß. Bemerkenswert.

  2. Man nehme zur Kenntnis, dass die Arbeitshilfe bei den jüdischen Gesprächspartnern im Rheinland den „faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype“ hinterlassen hat. Man sollte in der Kirchenleitung diese Rückmeldung ernst nehmen, wenn man denn den Dialog mit den jüdischen Gemeinden will. Meines Erachtens belegt dieser Vorfall wieder einmal, dass eine „doppelte Solidarität“ im „Minenfeld“ des Nahostkonflikts unsere jüdischen Parter nur verunsichert. Was gefragt ist, ist „besondere Solidarität“. Der Bochumer Theologe Klaus Wengst hat es auf den Punkt gebracht: „Gott nach der Schoah unmöglich ohne Israel denken zu können, heißt für Christen und die Kirchen aber auch, solidarisch an die Seite Israels gestellt zu sein – und das schließt den Staat Israel ein. Ihm gegenüber sehe ich mich nicht in einer Position neutralen Abwägens, sondern in einer unbedingt verpflichtenden und ganz und gar parteilichen Solidarität – solange jedenfalls mächtige Staaten der Region und von ihnen ausgehaltene und ausgerüstete militante Verbände die Existenz des Staates Israel mit dem Ziel seiner Vernichtung in Frage stellen.“

  3. Es tut mir leid, dass die gemeinsame Reise abgesagt wurde.
    Ich persönlich halte die Arbeitshilfe für den Gottesdienst anl. der 70-Jahr-Feier zur Gründung Israels für ausgewogen. Ich kann da keinen Antisemitismus entdecken.
    Man kann sich in der Tat nicht von Herzen über etwas freuen, dass anderen Menschen weh tut.
    Ich halte es allerdings für verhängnisvoll, wenn Leid und Ungerechtigkeit nicht mehr beim Namen genannt werden dürfen, mit der Begründung, hier würden antisemitistische Vorurteile verbreitet.

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