Gottesdienst im Alltag

27. April 2013 von Manfred Rekowski

Am letzten Wochenden habe ich an einem Gottesdienst in einer Wuppertaler Kirche teilgenommen, die aus finanziellen Gründen als Gottesdienststätte aufgegeben werden soll. Ich hörte eine ansprechende und beeindruckende Predigt. Es ging um den Auszug aus Ägypten (2. Mose 16 ). Das Volk Israel wird aus der Sklaverei geführt, muss Altes aufgeben und aufbrechen. Der Aufbruch führt aber nicht ins Paradies, sondern in die Wüste. Doch Gott sorgt für sein Volk. Es regnet Mana und Wachteln. Jede und jeder bekommt so viel er braucht. Ich habe eine seelsorgliche und eine kirchenleitende Predigt gehört. Am Ausgang wurde ich angesprochen. Die Predigt war kein Thema, wohl aber die drohende Kirchenschließung: „Wir kämpfen um unsere Kirche. Helfen Sie mit!“

Ich werde mithelfen und fördern, dass weiterhin Menschen an vielen Orten durch Predigten Orientierung finden und begleitet werden. Ich werde alle unterstützen, die dafür sorgen, dass Menschen im Gottesdienst finden, was sie zum Leben brauchen.

Aber ich werde nicht darum kämpfen können, dass alle Kirchengebäude, die wir in „guten Zeiten“ errichtet haben, erhalten bleiben. Natürlich unterstütze ich alle Überlegungen zu kreativen Lösungen im Umgang mit Kirchengebäuden, die nicht mehr als regelmäßige Gottesdienststätten erhalten werden können. Denn ich weiß, wie groß die städtebauliche Wirkung der Kirchengebäude ist und wie hoch die emotionale Bindung an Kirchen ist.

Das Kirchengebäude, in dem unsere Kinder konfirmiert und in dem ich als Pfarrer ordiniert und als Superintendent eingeführt wurde, soll auch aufgegeben werden. Das ist auch für mich schmerzlich.

Wenn wir schon Kirchengebäude als Gottesdiensträume aufgeben müssen, dann ist es ein kleiner Trost, wenn man für die Gebäude eine neue Nutzung finden kann, die für sie angemessen ist. Dabei ist oft auch Phantasie gefragt, um ein passendes Nutzungskonzept zu finden.

Eine Sorge habe ich: Wenn in den nächsten Jahren viel Energie in den Kampf um den Erhalt von Gebäuden fließt, dann werden wir den Kopf und die Hände nicht frei haben, um in Wort und Tat phantasievoll vom offenen Himmel zu erzählen, für Gerechtigkeit einzutreten, zum Glauben einzuladen oder Menschen im Leben zu begleiten.

Dies aber ist unsere vordringliche Aufgabe. Dies ist auch der Zweck unserer Kirchen.

Übrigens habe ich bereits Anfang der 80er Jahre in England erlebt, wie finanzschwache Kirchengemeinden ihre Kirchen aufgeben mussten. Das war für die Gemeinden schmerzlich, sie trafen sich dann in kleinen Ladenlokalen zum Gottesdienst. Der Ortswechsel brachte aber auch neue Menschen in die Gemeinde und machte so deutlich: Gottesdienst und der Glaube gehören in unser alltägliches Leben.

Eine Antwort auf „Gottesdienst im Alltag“

  1. Für unsere Gemeinde in Monschau ist das Thema erschreckend aktuell. Was vor 8 Jahren als Dachsanierung begann wurde zu einer Totalsanierung des Kirchengebäudes und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein.

    Ihre Fokussierung auf die eigentlichen Aufgaben unserer Gemeinden trifft den Nagel auf den Kopf. Pastöre, die eigentlich Seelsorger sein wollen, sind auf einmal Baustellenmanager. Von den Presbytern, die eigentlich ein Ehrenamt bekleiden, will ich garnicht reden.

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