Kirchenleitung im Gespräch

17. September 2014 von Manfred Rekowski

Als Kirchenleitung suchen wir das Gespräch zur Haushaltskonsolidierung, an vier Orten finden deshalb unter dem Titel „Kirchenleitung im Gespräch“ Diskussionsveranstaltungen statt. Für die, die nicht vor Ort dabei sein können, haben wir die Eingangsstatements aufgezeichnet.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden und ihre Diskussionsbeiträge wurden protokolliert, so dass wir diese Argumente – dies gilt natürlich auch für die anderen drei Veranstaltungen und  auch für die Kommentare hier im Blog –  bei der Auswertung einbeziehen können.

Einen Bericht von der Veranstaltung in Bonn finden sie auf der Homepage www.ekir.de.

21 Antworten auf „Kirchenleitung im Gespräch“

  1. Sehr geehrter Herr Präses Rekowski,

    soeben zurückgekehrt aus einem Kurs im Haus der Stille, möchte ich Ihnen mitteilen, wie bereichernd ich diese intensive Zeit der Besinnung in Rengsdorf erlebt habe. Unter hervorragender geistlicher Begleitung haben wir 15 Teilnehmer/Innen ein ganzheitlich ausgelegtes Programm zur Thematik „Haltung bewahren“ erleben dürfen, das anhand eines Bibeltextes mit weiterführenden Impulsfragen zur persönlichen Reflexion sowie mit Gebets- und Meditationszeiten, Andachten, Gebärdeübungen, Körperübungen der Eutonie, durchgängigem Schweigen, persönlicher Vertiefung in seelsorgerischen Einzelgesprächen bearbeitet wurde. Darüberhinaus standen uns Möglichkeiten wie Werk- und Kreativraum oder ein Gang in die Natur zur Verfügung. Die einzelnen Komponenten ergänzten sich zu einem stimmigen Ganzen, was ich mehr als bemerkenswert empfand und mir eine intensive Auseinandersetzung mit meinen Lebens- und Glaubensfragen erlaubte. Ich habe das Haus gestärkt verlassen und glaube sagen zu dürfen, dass ich bei weitem nicht die Einzige war.
    Sehr gefreut habe ich mich auch am letzten Kurstag über die Mitteilung, dass sich der Freundes- und Förderkreis des Haus der Stille eines beachtenswerten Mitgliederzuwachses erfreuen darf. Auch wenn die einzelnen Mitglieder nicht über Geldbeutel verfügen, die ihnen größere Jahresbeitragszahlungen erlauben, so sehe ich doch gerade in dieser Nachricht ein deutliches Signal für ein auf Dauer angelegtes Bedürfnis vieler Menschen, das Haus der Stille nicht nur zu erhalten, sondern zu fördern. Im Mitgliederzuwachs dokumentiert sich aus meiner Sicht mehr als Spendenbereitschaft. Er ist zukunftsgerichtet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrike Spengel-Rückrich

  2. Sehr geehrter Herr Präses Rekowski,

    den vielen entsetzten Kommentaren zur geplanten Schließung des Hauses der Stille möchte ich mich mit einem Auszug aus meiner Predigt am 5.10.2014 über Hebr. 10, 35-39 anschließen, die ich im Rahmen meiner Zurüstung zur Prädikantin in der evangelischen Immanuelgemeinde Köln-Longerich gehalten habe: „(…) Der Hebräerbrief mahnt: „Werft Euer Vertrauen (die Züricher Bibel sagt;: Euren Freimut) nicht weg.
    Wann werfen wir unser Vertrauen in Gott, in uns selbst und in andere Menschen weg, achten es somit gering?
    Wann gehören wir zu denen, die im Kampf um den Glauben zurückweichen? (…) Was wäre, wenn unser ganzes Leben ein Geduldsspiel wäre, in dem wir Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zu bewältigen haben?

    Als Schwierigkeitsgrad 7 bis 8 sehe ich z. B. die Vergleichgültigung des Christlichen in unserer Gesellschaft an, leider auch innerhalb der Kirche selbst.

    Wenn die rheinische Landeskirche allen Ernstes derzeit überlegt, das Haus der Stille in Rengsdorf zu schließen, zeigt dies, dass sie den Freimut und das Vertrauen in Gott wegwirft und außerdem den Blick für das Wesentliche verloren hat. In diesem Meditations- und Einkehrzentrum haben seit dessen Gründung Anfang der 90er Jahre unzählige Christinnen und Christen die Kraft der Stille bei gleichzeitiger kompetenter seelsorgerlicher Begleitung erfahren und sind mit neuer Energie und Perspektiven in ihren Alltag zurückgekehrt. Auch Menschen, die ihren Glauben verloren haben, finden dort Ansprache und nicht selten wieder einen Weg in die Kirche zurück.
    Auch ich selbst bin dort seit 1993 Gast und kehre immer wieder gestärkt in meinen Alltag zurück.
    Wenn die offizielle Kirche von ihrem eigenen Anspruch, einen Hort der Spiritualität anzubieten, selbst zurückweicht, täte es ihr gut, sich die letzten Worte des Hebräerbriefes sagen zu lassen: „Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen, sondern zu denen, die glauben und sich das Leben bewahren. “ (…)
    Was mir auch hilft, ist das Wissen, dass die Kirche zum Glück nicht identisch ist mit der Verwaltungseinheit, die an der einen Stelle Geld zum Fenster herauswirft und an anderer Stelle sich selbst kaputtspart.
    Kirche bin auch ich selbst; Sie selbst. Der kleine Prinz sagt: „das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ So auch der Leib Christi, zu dem Sie und ich gehören.“

    in der Hoffnung auf die Wirkkraft des Geistes der unsichtbaren Kirche in der sichtbaren Kirche und mit freundlichen Grüßen,

    Doris Hanfland

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  3. Sehr geehrter Herr Präses Rekowski,
    ich schließe mich dem Erschrecken über die vorgesehene Schließung des „Haus der Stille“ in Rengsdorf an. Ich verstehe Sparmaßnahmen, auch wenn Fehlentscheidungen sehr bedauerlich sind. Was kann ich tun als Mitglied der evgl. Kirche, damit dieser wichtige Ort erhalten bleibt?
    Es ist mein zweites Zuhause geworden, seit 2001. Seitdem bin ich unfreiwillig immer wieder in perönlichen, tiefen Krisen. Im Haus der Stille, habe ich starke Zwendung erfahren, durch die Mitarbeiter,Seminarinhalte und Teilnehmer,auch weil das „Haus der Stille“ ein besonderer spiritueller Ort ist, mit neuer Gotteskraft weiterzuleben. Es gibt für mich keinen anderen Ort, auch leider nicht in den Kirchen. Ich bete für den Erhalt dieses Hauses und für die wunderbaren Mitarbeiter.Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

  4. Lieber Herr Präses Rekowski,
    heute möchte ich mich als betroffene Mitarbeiterin des FFFZ Hotel und Tagungshauses zu Wort melden. Am 01.10.2014 durfte ich mein 20 jähriges Dienstjubiläum feiern. Das heißt, dass ich 20 Jahre meines Lebens, in guten und auch schlechten Zeiten, dem Hause sehr verbunden war (und weiterhin bin), fast wie in einer Ehe. Nicht nur für mich, als allein erziehende Mutter zweier Schulkinder, stellt sich die Frage was die Zukunft bringt. Ich persönlich habe Existenzängste! Muss ich doch meine kleine Familie alleine ernähren. Ich will hier sicher nicht auf die Tränendrüse drücken, bitte entschuldigen Sie, wenn das so rüberkommt. Aber das FFFZ ist seit zwanzig Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens, wo werde ich landen, wenn es geschlossen wird? Wird es einen Sozialplan geben, der auch das Wort „SOZIAL“ verdient? Ich bin zwar mit 47 Jahren noch nicht übermäßig alt, dennoch wird es in der Hotelbranche schwierig werden, sieht man doch in den Hotels meist nur junge Damen bis max. 30 Jahren an der Rezeption, und ganz ehrlich, die Verdienstmöglichkeiten sind eher schlecht…
    Bitte vergessen Sie bei all der Finanzpolitik nicht die Schicksale der betroffenen Mitarbeiter. Wir leisten gute Arbeit, die Umsätze steigern sich von Jahr zu Jahr, unsere Gäste sind hoch zufrieden, auch die Landeskirche kommt äußerst gerne ins Haus. Soll das alles umsonst sein???

    Ich bete für eine positive Entscheidung der Synode.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  5. Kirche macht den Unterschied – auch in der Bildung

    Seit vielen Jahrzehnten vertrauen Familien ihre Kinder den evangelischen Schulen im Rheinland an. Sie setzen dabeiauf christliche Werte, den fairen Umgang aller an Schule Beteiligten miteinander, die Erziehung zur Selbständigkeit und auf gute Leistungen, die den Kindern den Weg in ein erfolgreiches Leben eröffnen. All dies gelingt an dieser Schule dank großem Engagement, professionellem Arbeiten und der kirchlichen Trägerschaft, die diesen Schulen Freiräume schafft, die viele städtische Schulen (leider) nicht haben. Und: All dies wirkt zusätzlich weit über die Schule selbst hinaus, in die Nachbarschaft, Gemeinde, den Stadtteil, die Nachbarkommunen etc. Wo sonst hat Kirche die Möglichkeit, über einen so langen Zeitraum junge menschen, also unsere Zukunft, und deren Familien zu binden und im christlichen Sinne zu bilden?
    Dieses erfolgreiche Gesamtpaket darf durch die Sparbemühungen der EKiR nicht in Frage gestellt werden! Bereits heute leisten Eltern über Schulstiftung und ehrenamtliches Engagement Erhebliches, um die Arbeit an den evangeliscehn Schulen zu unterstützen. Kirche leben heißt auch, die (Schul-)Gemeinschaft zu stärken. Dies kann nicht durch den Rotstift bestraft werden!

  6. In den Jahren etwa von 1980 bis 2010 wurden immer wieder neue Arbeitszweige und Dienststellen in der Landeskirche neu gegründet oder erweitert – und das bei sinkenden Gemeindemitgliederzahlen. Es liegt doch auf der Hand, dass diese Entwicklung nicht fortzusetzen oder zu ignorieren war. Nun hat die gegenwärtige Kirchenleitung den Mut und die schwere Aufgabe, das Rad zurückzudrehen und zugleich neue Perspektiven zu gewinnen. Hier verdient sie Solidarität, Unterstützung und helfende Kritik. Diffamierungen wie „Betonfraktion“ sind da völlig fehl am Platz. Beim Besuch der Veranstaltung „Kirchenleitung im Gespräch“ in Homberg nutzten Mitarbeitenden und Leitungen landeskirchlicher Dienste die Gelegenheit, für ihre Einrichtung zu sprechen. Lobbyarbeit in eigener Sache ist zwar verständlich, aber gehörte nicht an diesen Ort. Dafür gab es Zeit und Raum an anderer Stelle im gesamten Verfahren. Deren längere Voten schränkten die Frage- und Redemöglichkeiten der anwesenden Gemeindemitglieder bzw. KSV- und Presbyteriumsmitglieder über Gebühr ein. Das war nicht in Ordnung.
    Dieter Hofmann, Schermbeck

  7. Sehr geehrter Präses,

    ich war am 29.09 in Duisburg Homberg und habe die Aussage von Herrn Pistorius zur Haushaltskonsolidierung sehr gespannt verfolgt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen, vor allem die Schließung von Einrichtungen und folglich auch Entlassungen von Angestellten, sind sehr schmerzlich, sollen aber laut Herrn Pistorius erforderlich sein, da in der Vergangenheit nicht verantwortungsvoll mit unseren Kirchensteuern umgegangen worden ist.
    Deshalb soll nun auch das FFFZ in Düsseldorf geschlossen werden, dessen Atmosphäre und Ausstrahlung, dessen Bachnächte und Kunst nicht nur mich sondern auch viele meiner Freunde und Bekannten immer wieder begeistern. So habe ich einen neuen Bezug zur Kirche herstellen können, was ich nicht vermutet hätte. Der unaufdringliche und zurückhaltende Charme dieses Hauses, wirkt wohltuend und gewinnend.
    Nun soll dieses Haus geschlossen werden, damit die Altersbezüge der Kirchenbeamten langfristig gesichert werden können.
    Weshalb sollen wir nun Ihnen und den derzeitigen Kirchenleitungsmitgliedern glauben, dass Sie das Wohl ALLER Glieder der Rheinischen Landeskirche und nicht nur einer kleinen, privilegierten Gruppe im Blick haben? Warum sollten wir glauben, dass Sie es besser können als Ihre Vorgänger?
    Sie, Herr Rekowski, haben der Kirchenleitung auch angehört, die, wie dargestellt, diese existierenden Defizite im kirchlichen Haushalt verschuldet hat. Wie haben Sie in der Vergangenheit versucht zu verhindern, dass heute Angestellte des Hauses der Stille, des FFFZ, des Medienverbandes, etc, ihre Arbeitsplätze verlieren und diese hervorragende Arbeit für die Rheinische Kirche „eingestampft“ werden muss?

    Ich bin sicher, dass das FFFZ gewinnbringend für Ihre Probleme eingesetzt werden kann ohne es zu schließen.

  8. Mit Erstaunen, um nicht zu sagen Erschrecken, habe ich erfahren, dass das ‚Haus der Stille‘ in Rengsdorf im Januar 2015 geschlossen werden soll auf Grund von (notwendigen) Sparmaßnahmen der Evangelischen Kirche.
    Sicherlich sind Sparmaßnahmen notwendig, aber warum ausgerechnet diese Einrichtung ? Es ist das einzige Angebot dieser Art im Rheinland, das Haus wurde in den letzten Jahren erweitert und renoviert und ist – soweit ich weiß – oft ausgebucht.
    Gerade heute, in Zeiten des ‚Medienrummels‘, der steigenden Anforderungen des Alltags und gesellschaftlicher (und oft auch privater) Probleme ist eine solche Rückzugsmöglichkeit sehr wichtig. Nicht nur, um zur Ruhe zu kommen, sondern auch um eventuell neue Anregungen und Weisung für weitere Lebensschritte zu bekommen.
    Es wäre sicherlich noch vieles dazu zu sagen … aber ich möchte meiner Betroffenheit Ausdruck geben und vielen anderen geht es genau so.
    Subjektiv habe ich den Eindruck, dass in der Evangelischen Kirche die ‚Spiritualität‘ weniger wird und mehr auf ‚action‘ gesetzt wird, um neue Mitglieder zu gewinnen bzw. alte nicht zu verlieren.
    Soweit ich weiß, ist aber eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen, sondern soll auf der Synode im Januar 2015 getroffen werden. Vielleicht besteht ja doch noch ein wenig Hoffnung, dass das ‚Haus der Stille und Meditation‘ erhalten bleibt.

  9. Auch ich teile das Entsetzen darüber, dass das Haus der Stille geschlossen werden soll. Für mich ist dieses Haus über die Jahre immer wieder ein Ort der Gottesbegegnung gewesen – meine Anbindung an meine örtliche Gemeinde ist eher locker, und der übliche Gottesdienst spricht mich weniger an. Aus dem Haus der Stille bin ich immer gestärkt wiedergekommen, und es ist mir wichtig, zu einem solchen Ort in Abständen zurückkehren zu können. Muss ich demnächst in katholischen Klöstern oder in Yoga-Retreats suchen statt in der evangelischen Kirche zu bleiben?

  10. Liebe Mitglieder der Kirchenleitung,

    in den Vorschlägen zur Haushaltskonsolidierung wird vorgeschlagen, das Haus der Stille in Rengsdorf in seiner jetzigen Form zu schließen.

    Wer das Haus der Stille schließen will, der handelt aus meiner Sicht wie ein Gärtner, der die lebendige Quelle in seinem Garten, vor der die Pflanzen leben, zubetoniert!

    Liebe Kirchenleitende, überlegt Euch gut, ob Ihr zu dieser Betonfraktion gehören wollt!

  11. Guten Tag allerseits,
    ich habe erfahren, dass das Haus der Stille in Rengsdorf im Zuge von Sparmaßnahmen möglicherweise geschlossen werden soll und bin darüber sehr bestürzt. Ich habe keine Ahnung, wie viel Haushaltsmittel die Evangelische Kirche dadurch einsparen könnte. Daher möchte ich mich auf die vielen positiven Aspekte beschränken, die ich durch den Besuch von Kursen im Haus der Stille erfahren habe.
    Das Haus der Stille ist für mich eine für mich zentrale Verbindung mit der evangelischen Kirche und die spirituellen Erfahrungen in den Kursen haben mich dazu gebracht, über einen Kirchentritt ernsthaft nachzudenken. Denn die in den Kursen vermittelten Erfahrungen sind doch wesentlich mehr, als eine normale Kirchengemeinde bieten kann und können eine tragfähige Basis für ein weiter gehendes Engagement in der Gemeinde vor Ort bilden.
    Ich fände es daher sehr schade, wenn das Haus geschlossen würde und wüsste auch keine geeignete Alternative für die dort angebotenen Veranstaltungen.
    Ich hoffe daher sehr, dass das Haus der Stille weitergeführt wird und auch bereit, mich dort stärker zu engagieren (über die reine Kursteilnahme hinaus, z.B. als Fördermitglied).

  12. Liebe Mitglieder der Kirchenleitung,
    auch ich gehöre zu den vielen in unserer Kirche, die fassungslos darüber sind, dass das Haus der Stille in Rengsdorf geschlossen werden soll. Eine Verlagerung der Arbeit nach Wuppertal ist schlicht nicht realistisch — Rengsdorf bietet einen Ort, an dem man weg ist aus dem üblichen (kirchlichen) Betrieb und in der Stille auf Gott hören kann, auf eine Weise, wie das im gemeindlichen Alltag oft nicht möglich ist. Ich glaube, dass unsere Kirche einen solchen Ort geistlicher Vertiefung unbedingt braucht, und der kann eben gerade nicht dort sein, wo sonst schon ganz viel läuft!

  13. Mein persönliches Statement betrifft Ihre Gedanken, das Haus der Stille in Rengsdorf zu schließen.
    Nach meiner evangelisch geprägten Sozialisation entfernte ich mich als junger Erwachsener immer mehr von meiner Kirche – war sozusagen nur noch „zahlender Christ“. Vor einigen Jahren erlebte ich aber, was Glauben auch heißen kann, nämlich bei einer Veranstaltung in einem katholischen Kloster. Umso erfreuter war ich, im Haus der Stille einen Ort zu finden, in dem ein evangelischer Glauben erlebt und gelebt werden kann, ohne gleich in die Fänge evangelikal-fundamentalistischer Gruppierungen zu geraten. Ein Ort, wo nicht nur der Kopf, sondern alle Bereiche des menschlichen Seins, Ausdruck des Glaubens und der Zuversicht werden können.
    Erst durch das Haus der Stille habe ich dann wieder Kontakt zu Kirchengemeinden in meiner Nähe gefunden, die mich in meinem Christsein begleiten.
    Sollte das Haus der Stille geschlossen werden, verliert in meinen Augen die Evangelische Kirche im Rheinland ihr spirituelles Zentrum und damit die Chance, Menschen auf der Suche in der evangelischen Kirche zu halten.

  14. Soeben habe ich von der Erwägung, das Haus der Stille in Rengsdorf zu schließen erfahren und bin entsetzt.
    Für mich geht Glaube nicht über eine Gottesverkündigung, in der vorne in der Kirche ein Pfarrer steht und eine Predigt hält; über den Kopf – doppeldeutig verstanden: zum einen über den rein kognitiven Kanal, zum andern wirklich über meinen Kopf hinweg. Mich erreicht das nicht und ich habe den Eindruck, dass auch andere Menschen nichts damit anfangen können. Kirchliche Mitarbeiter wirken auf mich oft resigniert und manchmal auch erstarrt. Wo bleibt da der lebendige Glaube, der durch das Leben trägt?
    Umso wichtiger ist für mich das Haus der Stille. Es ist für mich ein Stück Heimat geworden. Da wird Glaube in den angebotenen Themen, in den Menschen, die sie vermitteln, und dem ganzen Ambiente im vollständigen Menschsein spürbar und erfahrbar. Ich bin mehrfach im Jahr dort und es ist für mich der einzige Ort, an dem ich ähnlich „tickenden“ Menschen begegnen kann.
    Wo soll ich sonst hingehen, wenn es das Haus der Stille nicht mehr gibt?
    Und abgesehen von meinem eigenen Interesse: Meiner Meinung nach ist eine solche kleinräumige, persönliche, unmittelbare, ja urchristliche Glaubensvermittlung die einzige Chance für den christlichen Glauben der Zukunft – eben nicht große annonyme Strukturen.
    Dies als unmittelbare Reaktion ohne theologischen Hintergrund, ohne ökonomische Kenntnisse, einfach als Mensch, für den das Haus der Stille für den Glauben und das Leben ganz wichtig ist.

  15. Die Spardiskussion erreicht mittlerweile auch die Kirchenkreise. Bei steigenden Ausgaben für die Verwaltung durch NKF (neue Stelle)oder Entlastung Superintendent wird gleichzeitig in Erwachsenenbildung, Jugend und Krankenhausseelsorge in unserem Kirchenkreis erheblich gekürzt. Unsere Kirche wird sich zu einer gut verwalteten, gut repräsentierten, aber ohne Kontakt zu den Menschen, die auf Kirche warten, entwickeln.
    Wie traurig, unfassbar uns so weit entfernt von der Nachfolge Jesu Christi!!!

  16. Sehr geehrter Herr Präses Rekowski,

    aus meiner Sicht liegt eine besondere Qualität der Arbeit des Hauses der Stille darin, über spirituelle Wissensvermittlung und den sachlich/theoretischen Austausch sowie die Möglichkeit des „Auftankens“ weit hinauszugehen, indem hier Spiritualität gelebt, geübt und verinnerlicht werden kann. Dadurch ermöglicht das Haus der Stille der/m „suchenden“ Menschen persönliche Reifeerfahrung und die Entwicklung und Vertiefung des eigenen Gottesbildes. Dies ist eine Ebene und Qualität des Zugangs, der , wie hier in Rengsdorf, aus kleinräumigem, intensivem Erleben und Erfahren unter fachlicher Begleitung schöpft und für den Einzelnen wie auch die Seminargemeinschaft wertvolle Prozesse in Gang setzen und begleiten kann. Aus meiner eigenen Beobachtung möchte ich sagen, dass Menschen, die diese Angebote im Haus der Stille wahrnehmen, gestärkt und zuversichtlich in ihren Berufs- und Familienalltag zurückkehren und als Multiplikatoren und Botschafter ihre Erfahrungen und christlichen Werte in die Gesellschaft hineintragen.
    Ich selbst habe „zufällig“ vor mehr als 10 Jahren dieses Haus kennen gelernt und komme seitdem jährlich mindestens einmal dorthin zurück, um mich weiterzubilden. Ich bin evangelisch, nicht beruflich mit der evangelischen Kirche verbunden, aber: mein geistlicher Zugang, mein Bleiben und Werden in dieser evangelischen Kirche ist inzwischen vor allem durch das Haus der Stille geprägt und gereift. In all diesen Jahren ist mir noch kein/e Teilnehmer/in begegnet, der/die nicht mit dankbarer und sehr wertschätzender Rückmeldung abgereist wäre.
    Wir neigen heute in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen dazu, großräumig, zentrierend, nach Synergien suchend und (vermeintlich) kostensparend zu denken. Darin liegt die große Gefahr, „echte Perlen“ und ihre Strahlkraft zu übersehen. Zu wünschen ist vielmehr, dieses Konzept als Modell aufzugreifen und an anderen Orten ebenfalls zu errichten. Zu fragen ist nicht, ob das Haus der Stille unterstützenswert ist, sondern wie und wo dieses Konzept noch besser wirken kann.

    Um eine Brücke zwischen dem Entscheidungs-Ort „Schreibtisch“ und dem Entscheidungs-Inhalt „Konzept: Haus der Stille“ zu bauen, wäre ich gerne bereit, eine Person aus Ihrem Entscheidungs-Gremium zu einem HDS-Seminar einzuladen und dafür einen Teilbetrag in Form eines Gutscheines zu spenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrike Spengel-Rückrich

  17. Sehr geehrter Herr Praeses,
    bei allem Verständnis für eine Haushaltskonsolidierung-ist sie so durchgreifend und zügig erforderlich? Da bleibt nicht genug Zeit um wirklich ernsthaft miteinander zu überlegen und diskutieren. Ich denke,was das Haus der Stille angeht,dass da eine Einrichtung geschlossen werden soll,die nach meiner eigenen Erfahrung vor Ort sehr geeignet ist,Menschen wieder zu einem erfahrbaren Glauben zu führen,die sich längst schon von Kirche und Glauben verabschiedet hatten.Das finde ich keinen guten Vorschlag;er liegt für mich eher auf der Ebene,wo man sich selbst langfristig durch Sparen abschafft. Die evangelische Kirche hat sowieso kaum einen Platz für Menschen, die von einem intellektuellen Wortgottesdienst allein nicht satt werden und leben können.Dieses Haus leistet langfristig einen erheblichen Beitrag für den Erhalt der Kirche.Es gibt kaum Einkehrzentren-oder häuser der ev. Kirche-d.h. hier würde ( ohne Not-wendigkeit)ein sehr wichtiger und sowieso bereits unterrepräsentierter Bereich unserer Kirche aufgegeben.Vielleicht wäre es ja aber doch auch eine Möglichkeit, die katholische Kirche inhaltlich und finanziell am Haus zu beteiligen statt dieses in ein Zentrum für“ alles Mögliche“ zu integrieren wo in Wahrheit kaum noch Raum für diese intensive Arbeit gegeben wäre,geschweige denn Stille.Auf so gute Verkündigung, Seelsorge und gelebte Nächstenliebe in seiner Kirche sollte man stolz sein und sie unterstützen,statt diese praktizierte Form von Nachfolge Jesu einzusparen. Hier geht es wirklich um eine Einrichtung ,um die ich die ev.Kirche im Rheinland beneidet habe und von welcher es viel mehr als „Multiplikatoren“ in die Gemeinden vor Ort bräuchte.Dann könnte man doch wirklich eher in Städten, die vier oder mehr ev. Kirchengemeinden unterhalten durch Zusammenlegung sparen.Sehr unwirtschaftlich ist es auch,jetzt nach all den umfassenden Investitionen der letzten Jahre(Brandschutz) das ganze Geld quasi fortzuschmeissen.Was soll denn aus den Gebäuden werden? Die Jugendstilvilla muss doch wahrscheinlich in dieser Form erhalten bleiben(Denkmalschutz).So eine Entscheidung soll man in einer Kirche nicht so schnell übers Knie brechen- und
    erst rechtnicht wenn noch gar kein echter Überblick über die Finanzen besteht aus Befürchtungen über die Altersabsicherung von Beschäftigten. Es gibt Angebote vielfältigster Art für Schulen und Hochschulen- alles eher verzichtbar als dieses weit und breit einzigartige Angebot zum Überdenken des eigenen Lebens und Wiederfinden eines lebendigen Glaubens.

  18. Es ist für mich, und sicher für alle am Standort FFFZ und Medienverband sitzenden Mitarbeitenden, sehr schade, gerade in Düsseldorf – am Standort des FFFZ, Studio450 und der Evangelischen Medienakademie (einst mit großem publizistischen Echo an den Rhein geholt); vom Medienverband als geschrumpfte „Kommunikationsagentur“ nicht nur der Landeskirche einmal abgesehen – keine Diskussionsrunde, wie jetzt die erste in Bonn, angeboten zu haben.

    Darüber hinaus gibt der Kommentar von Hans-Jürgen Volk – nach meiner Überzeugung – alternative Denkansätze zum bisher kommunizierten, angeblich alternativlosen, Sparkurs.

  19. Lieber Herr Rekowski, lieber Herr Baucks,

    Ihre Ausführungen belegen, dass theologische Einsichten oder gar reformatorische Visionen für Ihr erneutes Umbau- und Sparprogramm keineswegs handlungsleitend sind. Was Sie bewegt, ist offenbar die 2013 fixierten Sparziele unabhängig von der sich sehr erfreulich entwickelnden Einnahmesituation um nahezu jeden Preis durchzusetzen. Im Fokus steht wohl weniger die Absicht einer „Haushaltskonsolidierung“ – das „strukturelle Defizit“ können Sie ja auf Grund nicht vorliegender Abschlüsse gar nicht benennen – sondern das Ziel, möglichst viel Geld aus dem System herauszuziehen, um die Kapitalbildung zur Absicherung zukünftiger Versorgungsansprüche zu verstärken. Sie folgen damit sehr konsequent Vorgaben, wie sie im erweiterten Solidarpakt der EKD vorgegeben sind.

    Dass man die Dinge auch völlig anders werten kann, als Sie es tun, geht z.B. aus einem Beitrag von RBB-Kulturadio hervor: http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/140803/gott_und_die_welt_0904.html. In diesem Beitrag kommen unter anderem Vertreter der Versorgungskasse Dortmund und des Südwind-Instituts zu Wort. Das Script dieser Sendung ist u.a. hier zugänglich: http://www.zwischenrufe-diskussion.de/pages/kirche-und-geld/kirche-und-finanzkapitalismus.php. In diesen Zusammenhang passt auch die Sendung von WDR 5 „Dieseits von Eden“:http://www.wdr5.de/sendungen/diesseitsvoneden/finanzplanungderlandeskirchen100.html).

    Wirklich unerträglich wird es, wenn man sich vor Augen hält, wofür in unserer Kirche das Geld mit vollen Händen ausgegeben wird: Bei NKF und dem durch die Verwaltungsstrukturreform forcierten Verwaltungsausbau scheint es keine Grenzen zu geben.
    Wer u.a. die eigene Bildungsarbeit demontiert und im Gegenzug immense Beträge für die Finanzverwaltung ausgibt, liegt einfach falsch.

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