Sich selbst nicht zu ernst nehmen

25. Februar 2017 von Redaktion

„Helau“, „Alaaf“, (in meinem Wohnort „Wuppdika“!) – diese oder andere Rufe der ausgelassenen Jecken erklingen in den Hochburgen des Karnevals ab dem 11.11. jedes Jahr aufs Neue. An diesem Wochenende haben die tollen Tage ihren Höhepunkt erreicht. Jedes Dorf und jede Stadt haben ihre eigenen Traditionen und Feierlichkeiten in der 5. Jahreszeit. Doch nicht jedem gefällt das! Lange Zeit hatte die evangelische Kirche dieses Brauchtum naserümpfend den Katholiken überlassen. Ich – gebürtig selbst kein Rheinländer – fremdelte anfangs mit dem ausgelassenen Treiben. Doch inzwischen kann ich dem Karneval durchaus etwas abgewinnen und halte es da lieber mit dem Apostel Paulus. „Hier ist nicht evangelisch noch katholisch, denn wir sind allesamt einer in Christus“, so schreibt er – hier leicht abgewandelt. Das ist die Grundüberzeugung, an die evangelische und katholische Kirche im Gedenkjahr an die Reformation vor 500 Jahren gemeinsam erinnern – eine gute Grundlage für weitere Schritte aufeinander zu. Man muss Karneval nicht mögen, aber „Mer muss och jünne künne!“ „Über den Zaun gucken, hält gute Nachbarschaft“, sagt Martin Luther. Das gilt auch beim Karneval.

Wer sich selbst zu ernst nimmt, versäumt nicht nur etwas. Sondern er nimmt die befreiende Gnade Gottes, von der der christliche Glaube im Kern handelt, nicht ernst genug. Christinnen und Christen sind deshalb fröhliche Menschen, sollten es zumindest sein. „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, lautet das Motto meiner Kirche im Reformationsjahr 2017.

Karneval und reformatorische Fröhlichkeit, das geht gut zusammen. In diesem Jahr fahre  ich im Düsseldorfer Rosenmontagszug auf dem Wagen der evangelischen Kirche mit – und habe selbstverständlich auch genügend Kamelle dabei. Viele evangelische Kirchengemeinden beteiligen sich ebenfalls an den Umzügen in ihren Kommunen. Denn Karneval und Rosenmontagszug gehören zum Rheinland wie Martin Luther zur Reformation. Da liegt es nahe, alles miteinander zu verbinden, ganz im Sinne Luthers dem Volk nicht nur aufs Maul, sondern auch aufs Brauchtum zu schauen. Fröhlich und mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Helau, Alaaf und Wuppdika!

PS: Wenn Sie auch mit Ihrer Gemeinde im Karneval unterwehs sind, freuen wir uns über Ihre Fotos auf unserer Social Media Wall.

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