Geschrieben von am 9.08.2016 in Medien | 5 Kommentare

Sommerbesuch auf Facebook

Sommerbesuch auf Facebook

Die Meinungen zu Sozialen Medien gehen weit auseinander. Wie wir darüber sprechen, zeigt schon, wie wir sie bewerten. Man chattet im Messenger, zwitschert auf Twitter oder postet Snapshots auf Facebook, so beschriebenen Konversationen in sozialen Netzwerken scheint etwas Beiläufiges anzuhaften, ernsthafte Gespräche scheinen anderenorts geführt zu werden. Gleichzeitig sammeln die Netzwerke Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer, so dass Verhaltensweisen nachvollziehbar werden.

Fehlender Ernst und fehlender Datenschutz lassen sich schnell anführen, wenn man Gründe angeben will, warum man auf sozialen Netzen nicht präsent sein will – jedoch die überwiegende Mehrzahl der Menschen in Deutschland nutzt soziale Medien, über ein Drittel ist regelmäßig auf Facebook aktiv.

Urteile lassen sich leicht fällen, insbesondere dann, wenn man die persönliche Erfahrung erst gar nicht gemacht hat.

Es ist eine persönliche Entscheidung, wer wie welche sozialen Medien nutzen will. Seit meiner Wahl zum Präses schreibe in diesem Blog, es bietet Menschen einen Rückkanal, sie können Feedback geben. Facebook habe ich bisher noch nicht genutzt, ich kenne die Risiken – wie oben beschrieben –, sehe aber auch Chancen. Menschen teilen, was Ihnen wichtig ist, kommen miteinander in Kontakt, niederschwelliger ohne große Hürden. Menschen wenden sich an die Kirche, die Ihnen sonst nur als Amtskirche bekannt ist.

Diesen Sommer nutze ich auch, um Menschen und Einrichtungen in unserer rheinischen Kirche zu besuchen. Erstmalig möchte ich in diesem Jahr auf Facebook gehen und dort online den Nutzerinnen und Nutzer begegnen. Für drei Wochen habe ich jeden Tag Zeit eingeplant, um zu teilen, was mir wichtig ist und ansprechbar zu sein, wenn Menschen mir als Pfarrer begegnen wollen.

Dieser Besuch auf Facebook geschieht nicht unvorbereitet, in der rheinischen Kirche haben wir Social Media Guidelines entwickelt, uns also Gedanken gemacht, wie wir in sozialen Netzen präsent sein wollen. Als Landeskirche haben wir eine Facebook-Seite, über die wir unsere Inhalte teilen und Menschen uns ansprechen können.

Trotzdem ist dieser persönliche Besuch auf Facebook auch ein Experiment für mich. Ich will niemanden dazu bringen ab jetzt Facebook zu nutzen, aber den Menschen, die auf Facebook sind, möchte ich signalisieren, dass wir auch dort bei Ihnen sind. Ich bin gespannt auf die Gespräche, die ich hier führen werde, und auf die Menschen, die mit mir in Kontakt treten werden. Wie bei jedem Besuch bin ich offen für Neues und möchte auf Augenhöhe Erfahrungen sammeln.

Wie immer freue ich mich auf den Austausch mit Ihnen und Ihre Rückmeldungen, hier im Blog, und in den nächsten drei Wochen auch auf Facebook.


5 Kommentare

  1. In Kontakt zu treten ist immer gut!

    Ich finde die Kirche, der ich mich zugehörig fühle, sollte nicht anfangen, Werbung zu machen für mehr Besucher und volle Häuser.
    Mir geht es darum, dass im Neuen Testament die Wurzeln meiner Werte stehen, die auch die Wurzeln unserer deutschen Verfassung sind, aber weit darüber hinaus gehen und wirken, im Grunde radikal anders sind als mein Alltag.
    Und weil meine Werte so anders sind als mein Alltag, brauche ich die regelmäßige Beschäftigung mit dem Neuen Testament.
    Da hilft nicht bei Bedarf mein LIKE für ein Kirchen-Event in facebook, viel mehr eine dauernd offene Kirchentür, die keine Angst vor Diebstahl hat.
    Da hilft nicht einmal jährlich KiBiWo, sondern jeden Sonntag Kindergottesdienst zusätzlich zum schulischen Religionsunterricht.
    Es gibt sie, die Gemeinden die das schaffen, aber lange nicht überall.
    Oft liegt es nicht am fehlenden Engagement von unten, sondern an den von oben vorgegebenen Direktiven und Qualitätsanforderungen.
    „Low-budget“ statt „haute couture“ ist heute schon out, und wird immer schlimmer, je größer der Kreis der „Mitwisser“ wird, wie bei facebook.
    Keiner traut sich mehr auf die Bühne, der´s nicht aus Eitelkeit aus sich heraus sowieso will. Facebook ist laut, nicht leise.

    Vielleicht irre ich.
    Aber der Mangel den ich sehe, den kann facebook niemals wenden.

  2. Der Herr spricht: (in Klammern, wie ich es verstehe)

    „Wo zwei oder drei (mehr sind schön, aber gar nicht wichtig)

    in meinem Namen (!!!)

    versammelt sind, (auf die physische Gemeinschaft kommt es an, die Wörter allein übermitteln nur 7% der Kommunikationsinhalte)

    da bin ich mitten unter ihnen.“ (der befreiende Sinn!)

    (Nicht´s unversucht lassen: face-book ist wie Buchdruck, Briefpost, Zeitung, Telefon und e-mail und ein bischen auch wie eine Kochsendung im Fernsehen, als bräuchten wir dauernd neue Vorschläge, was uns schmecken könnte.)

  3. Facebook ermöglicht mir weltweite ökumenische Kontakte, da ich festgestellt habe, dass viele meiner Freundinnen und Freunde – echte – überall auf der Welt bei Facebook sind und ich auf diese Weise viele interessante Einblicke auch in Gemeinden und kirchliches Leben bekomme, die ich ohne Facebook nicht so leicht hätte. Ich nehme teil an der Freude über die Orgeleinweihung in der lutherischen Kirche in Grodno, Weißrussland, und an der Freude über jedes Orgelkonzert, an den mühevollen Anstrengungen der Renovierung der Kirche in Jaroslawl, erlebe die große Enttäuschung über die Entscheidung der Synode der Lutherischen Kirche in Lettland gegen die Frauenordination und an den Sorgen der Brasilianer und Brasilianerinnen um die politische Kultur in ihrem Land – um ein paar Beispiele zu nennen. Unglaubliche Möglichkeiten, die wir da haben! Ich freue mich jeden Tag darüber.

  4. Ich finde, dass es immer daran liegt, wie man einen Gegenstand oder Medium nutzt. Ich habe mit Facebook bisher gute Erfahrungen gemacht. Ich habe dort viele Bekannte, ja sogar ehemalige Freunde gefunden, mit denen der Kontakt irgendwann mal abgebrochen war. Ich finde es sehr gut, dass sich die Kirche auch mit diesen Medien beschäftigt, um evtl. Kontakte neu zu knüpfen. Ich jedenfalls werde diese Aktivität der Evangelischen Kirche auch als Katholik aufmerksam verfolgen. Ich wünsche Dir mit dieser Aktion viel Erfolg und viele alte oder auch neue Kontakte

  5. „Für drei Wochen“….. und dann? Kirche sollte auch danach dort erreichbar sein, wo sich seine Mitglieder/Steuerzahler/Anhänger aufhalten.

    Nur wenn „Kirche“ sich dauerhaft ändert, erkennt, wo sie Ihre Anhänger trifft und auch dort abholt, nur dann hat meines Erachtens „Kirche“ eine Chance zu überleben.

    Für meinen Glauben brauche ich keine „Verwaltungs“kirche.

    Ein Beispiel für (zumindest in Teilen) gute Kirchenarbeit: Solingen Widdert. Kleinste Kirchengemeinde Solingens. Setzt sehr stark auf Musik sowie 4 gänzlich unterschiedliche Gottesdienstformate. Gewinnt dadurch nicht unerheblich Anhänger in Form von „Gemeindezugehörigkeit in besonderen Fällen“. Kehrseite: Meines Erachtens zu geringe Berücksichtigung älterer Gemeindemitglieder. Ach ja, die gemeinde ist an 365Tagen im JAhr über Facebook erreichbar und nicht nr 3 Wochen.

    Gladbeck-Zweckel: Chor Morning Star: Wenn der Chor einen Gottesdienst mitgestaltet ist die Kirche rappelvoll.
    Oder wenn Pfr Amend predigt: Das spricht an, das erreicht mich.

    Ich: geb 1961, katholisch (inklusive Messdiener, … das volle Priogramm) bis ca 1980. Dann zur evangelischen Kirche konvertiert. Seit 1975 „Hilfskirchenmusiker“ und dadurch bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Kirchen (teilweise ganz „abgedrehte“, wie zB „Kirche Christi Wissenschafter“) kennen gelernt.

    Mein persönlicher Favorit: Solingern-Widdert, gleich welcher Gottesdienst sowie 2x im Jahr Johanneskirche Köln-Klettenberg (www.beatmesse.de). Da lebt Kirche!

    4./5.11. Konzert Morning Star, Gladbeck-Zweckel. St Stephani

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.