Träumen wir weiter?

24. März 2018 von Manfred Rekowski

Martin Luther King
Martin Luther King

Träumer haben schlechte Karten. Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden – was immer diese sich erträumen: Die täglichen Nachrichten von Rassismus, Ausbeutung und Gewalt sind wie Hohngelächter über die Visionäre. Also besser nicht träumen?

Der schwarze Baptistenpfarrer Martin Luther King jr. war ein großer Träumer. Er hat sich leiten lassen von der großen biblischen Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Und die sollen nicht erst nach dieser Welt anbrechen, sondern – um Gottes und der Menschen Willen – schon hier und jetzt. In die menschenverachtende Wirklichkeit der Rassentrennung in den USA der 1960er-Jahre träumte und predigte er kraftvoll und wortgewaltig: „I have a dream … Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt.“

Vor 50 Jahren, am 4. April 1968, wurde King auf dem Balkon eines Motels in Memphis/Tennessee von einem Rassisten erschossen. Seit dem Attentat hat sich unsere Welt rasant verändert. Manches hat sich zum Besseren gewendet, auch dank des visionären, gewaltfreien Kampfes von Menschen wie Martin Luther King. Der Traum von sozialer Gleichheit aller Menschen und Gerechtigkeit ist aber weder in Kings Heimatland noch bei uns wahr geworden. In den USA werden immer wieder Schwarze durch Schüsse weißer Polizisten verletzt oder getötet. Die sozialen Unruhen, die dadurch entstehen, zeigen, dass sich noch nicht genug verändert hat.

Was sagen Sie? Träum weiter? Ja, sicher, denn ohne Träumer haben wir schlechte Karten! Den Traum des Friedensnobelpreisträgers finde ich zu verheißungsvoll, um ihn aufzugeben. Der Weg, den Martin Luther King aus seinem christlichen Glauben heraus beschritten hat und der zur vollen Gleichberechtigung der Menschen führen soll, ist noch lange nicht zu Ende. Auf diesem Weg braucht es MLK – Mut, Liebe, Kampf.

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