Uns eint die Taufe

26. März 2016 von Manfred Rekowski

Zu dir oder zu mir? Gute Frage. Auch Paare, die schon lange gemeinsam unterwegs sind, stellen sich mitunter diese Frage. Dann nämlich, wenn beide Partner verschiedenen Konfessionen angehören. Wo erleben wir die Osternacht gemeinsam? In welchem Gottesdienst feiern wir die Auferstehung Jesu Christi von den Toten? Wie hätten wir’s denn gerne: evangelisch oder katholisch? So einfach die Frage klingt, so schwer ist manchmal die Antwort.

Zu dir oder zu mir? Bei der Beantwortung spielt für evangelisch-katholische Paare vieles eine Rolle: zum Beispiel die Beheimatung in der eigenen Konfession, Vertrautheit von Formen und Frömmigkeit, persönlicher Geschmack und nicht zuletzt das Gefühl, wirklich willkommen und wertgeachtet zu sein. Wichtiger als die gefühlten oder tatsächlichen Unterschiede ist mir aber vor allem das, was uns verbindet.

Bei einem ökumenischen Treffen im Jahr 2006 in Köln hat der damalige Papst Benedikt XVI. abseits seines Redemanuskripts aus seiner Sicht als Theologieprofessor erklärt: Lasse man Bekenntnisschriften und die Traditionen einmal außer Acht und schaue nur in die Bibel, in das Glaubensbuch der Christen, dann komme man zu dem Schluss, dass es das einigende Band für die Christen schon gibt – die Taufe. Schon zehn Jahre vor Benedikts Einlassung, heute auf den Tag genau vor 20 Jahren, am 26. März 1996, haben die Evangelische Kirche im Rheinland und die (Erz-)Bistümer Köln, Aachen, Essen, Münster und Trier eine Vereinbarung zur wechselseitigen Anerkennung der Taufe unterschrieben und damit klar gestellt, was uns verbindet.

Zweifellos machen uns Unterschiede in Amtsverständnis und Kirchenbild noch immer Mühe, aber die Verbundenheit in der einen Taufe wiegt schwerer. Zu dir oder zu mir? Das ist keine unwichtige Frage. Aber ich finde: Egal, ob nun zu dir oder zu mir: wichtig ist, dass wir dort Gottes Wort hören und uns von ihm fürs Leben und Sterben Mut machen lassen. Karfreitag und Ostern machen klar: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott will das Leben, und er will Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Wichtig ist, dass wir aus diesem gemeinsamen Glauben etwas machen. Ich glaube: Die Welt braucht dringend unser gemeinsames Engagement, das aus diesem Glauben erwächst – damit die Welt, die ist, wie sie ist, nicht bleibt, wie sie ist. Und an der Kirche können wir auch noch arbeiten …

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