Versöhnung braucht Mut

23. Juni 2018 von Manfred Rekowski

22. Juni 1941: Wir erinnern in diesen Tagen an den Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. Dabei wird uns wieder einmal bewusst, wie wichtig das Gedenken für das friedliche Zusammenleben ist. Der Zweite Weltkrieg forderte mehr als 50 Millionen Kriegstote – die meisten davon in der Sowjetunion, sechs Millionen Juden wurden als Folge des nationalsozialistischen Rassenwahns ermordet. Bis heute sprechen wir zu Recht von einem Zivilisationsbruch schlechthin. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat es in seiner berühmten Rede vom 8. Mai 1985 so formuliert: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“

Diese Verantwortung beginnt bei der Art, wie sich jemand äußert. Wenn sich aktuell parlamentarische Vertreter des christlichen Abendlandes dazu aufschwingen, den Millionen Opfern nationalsozialistischer Politik kaum mehr an Bedeutung beimessen zu wollen als den Ausscheidungen von Flugtieren, dann ist das kalkulierte Stimmungsmache. Das fordert unseren Widerspruch, weil Zwietracht gesät wird, wo verantwortetes Handeln gefragt ist.

Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit Fjodr aus der russischen Stadt Pskow. Seine Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Meine Eltern hatten viel von den Soldaten der Roten Armee erzählt. Erst waren wir sehr befangen. Doch schon bald unterhielten wir uns lebhaft mit Händen und Füßen: eine Begegnung von Mensch zu Mensch. Versöhnung braucht Mut – auf beiden Seiten. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte vor mehr als 25 Jahren Kontakt mit Pskow als Schritt zur Versöhnung mit der damaligen Sowjetunion aufgenommen. Später entstand auch dank großen Engagements aus dem Rheinland ein russlandweit einzigartiges Heilpädagogisches Zentrum. Verantwortung vor der Geschichte schreibt solche Geschichten.

Multimediastory Pskow 2018

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