Weltflüchtlingstag: Danke für alle Ihre Hilfe!

18. Juni 2015 von Manfred Rekowski

Am kommenden Samstag, 20. Juni, ist Weltflüchtlingstag. Angesichts der vielen Medienberichte über Flucht und Flüchtlinge, über Schlepper und Seenottragödien ist ein solcher Tag kaum mehr nötig, mag man meinen. Und doch erinnert dieser Tag als wiederkehrender Termin im Weltkalender an die vielen Fluchttragödien und -katastrophen, die nicht im Fernsehen gezeigt werden und über die keine Zeitung schreibt. Der Weltflüchtlingstag erinnert uns daran, dass wir gefragt sind – als Menschen und Christenmenschen. Wir sind gefragt zu helfen.

Ich bin dankbar, dass so viele Menschen in unserer Kirche sich fragen und ansprechen lassen, den Flüchtlingen, die zu uns kommen, zu helfen. Zum Beispiel in Koblenz-Pfaffendorf. Koblenzer Bürgerinnen und Bürger waren auf schlimme Zustände in einem Übergangswohnheim aufmerksam geworden. Sie krempelten die Ärmel auf und halfen: zunächst mit Begleitung bei Amts- oder Arztbesuchen. Daraus ist das Netzwerk „Willkommenskultur Rechte Rheinseite“ geworden. Inzwischen gibt es Sprachkurse, Spielenachmittage, einen Waschsalon und vieles mehr in Zusammenarbeit mit den Pfadfindern und der Kolpingsfamilie. Für mich ist das Netzwerk ein gutes Beispiel dafür, wie Gemeinden sich in ein zivilgesellschaftliches Netzwerk einbinden, schon vorhandene Einrichtungen und Kompetenzen nutzen und mit geringem finanziellen Aufwand Tolles leisten. Als Landeskirche unterstützen wir das Projekt aus der einen Million Euro, die die Landessynode im Januar für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt hat. 59 Projekte wurden schon unterstützt, weitere folgen im Sommer und Herbst.

So erzählt der Weltflüchtlingstag für mich auch die Geschichte von Menschen, die dem Willen Gottes und dem Auftrag Jesu nachkommen und sich der Fremden annehmen. Danke dafür an alle, die sich in unserer Kirche hier besonders stark machen!

Anlässlich des Weltflüchtlingstages hat Pfarrerin i. R. Sylvia Bukowski ein Gebet geschrieben, das ich Ihnen ans Herz lege. Vielleicht mögen Sie es ja auch am Sonntag im Gottesdienst in Ihrer Gemeinde beten oder in den sozialen Netzwerken teilen:

Gott des Erbarmens,
du hast dein Volk begleitet
auf dem Weg durch die Wüste
und ins Exil.
An dich wenden wir uns
angesichts des Leids unzähliger Menschen,
die ins Ungewisse aufbrechen,
um Armut, Verfolgung und Gewalt zu entfliehen.

Die hohen Flüchtlingszahlen
machen uns Sorgen;
aber was wiegen sie
gegen den Schmerz derer,
die alles Vertraute verlassen mussten,
und Unsägliches durchgemacht haben.

Du hast ein Herz für alle Menschen,
du hast Ohren für ihre Wehklagen,
du siehst auch ihr verborgenes Leid.

Wir bitten dich für die Familien,
die alle Ersparnisse dafür geben,
damit ihre Söhne und ihre Töchter es in der Fremde
einmal besser haben,
damit sie dem Grauen des Krieges entkommen,
damit sie ohne Angst leben können.
Gott, höre ihre Gebete!

Wir bitten dich für die Frauen,
die auf der Flucht vergewaltigt werden
und für die Männer,
die ihre Würde verlieren,
weil sie sich und andere nicht schützen können
vor den Übergriffen der Schlepperbanden.
Gott, höre ihre Gebete!

Wir bitten dich auch für die vielen Kinder,
die fliehen müssen.
Sie haben oft viel mehr gesehen und erlebt
als ihre Kinderseelen verkraften,
und wenn sie ihre Eltern verlieren
ist niemand ist da, der sie in den Arm nimmt.
Gott, höre ihre Gebete!

Gott, du weißt,
es gibt viele, die helfen,
und Hoffnung schenken,
auch hier bei uns
in unserer Kirche.
Lass sie nicht resignieren,
oder zynisch werden
angesichts der Schwierigkeiten,
mit denen sie zu kämpfen haben.
Gott, höre ihre Gebete!

Wecke Weisheit und Erbarmen in allen,
die Verantwortung tragen
für das Geschick der Flüchtlinge
hier in Europa
und in den anderen Kontinenten.
Lass die Regierenden
Gastfreundschaft beschließen,
und mach uns bereit,
von dem, was wir haben
mit Fremden zu teilen.
Gott, höre unsere Gebete!

Amen.

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