Wir sind alle MitMenschen

17. Mai 2016 von Manfred Rekowski

Vor ein paar Tagen habe ich eine internationale Klasse in einem Berufskolleg in Wermelskirchen besucht, in der junge Erwachsene – Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan, Eritrea und Bangladesch – unterrichtet werden.

Bei der kurzen Vorstellungsrunde erzählten einige der jungen Leute von ihren Fluchtwegen und den damit verbundenen Mühen und Gefährdungen. Dass diese Erfahrungen ebenso wie die Situation im Heimatland tiefe und z.T. auch traumatische Spuren hinterlassen haben, konnte ich auch an den Gesichtern ablesen. Ich spürte wieder einmal: Wer sich auf diese Menschen einlässt, ihnen begegnet, wird sich wohl immer für menschliche Lösungen einsetzen.

Überrascht war ich, dass zwischenzeitlich drei Personen aus dieser Lerngruppe eine Lehrstelle als Bäcker oder Friseur angetreten haben. Und fast alle verfügen schon über sehr gute Deutschkenntnisse und wollen diese weiter entwickeln, sobald die bürokratischen Voraussetzungen dafür erledigt sind.

Dieser Schulklasse gehören Muslime, orthodoxe und evangelische Christen ebenso wie Jesiden an. Einer erzählte: „In meiner Heimat war Religion immer Anlass für Streit, Konflikte und Verfolgung. Hier, in dieser Schule und in diesem Land, ist es ganz anders. Wir haben ganz schnell gelernt: Wir sind Menschen. Wir verstehen uns trotz unterschiedlicher Religion.“ Das hat mich sehr beeindruckt.

Dass in dieser Schule eine Frau als Schulleiterin das Sagen hat, haben alle, auch diejenigen, in deren kulturellen und religiösen Kontext die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nicht gesellschaftliche Realität ist, begriffen.

Wir sind alle MitMenschen – unabhängig von Religion, Herkunft oder Geschlecht.

Deshalb lade ich Sie ein, Gesicht zu zeigen gegen Fremdenfeindlichkeit und sich an unserer Mitmachaktion zu beteiligen, die wir heute gestartet haben: www.wirsindMitMenschen.de.

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