Zurück aus den Ferien

22. August 2014 von Manfred Rekowski

Nach der Sommerzeit melde mich gerne im Blog zurück. In Nordrhein-Westfalen hat die Schule bereits wieder begonnen, im Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen haben zumindest die Schulkinder noch etwas Zeit zur Erholung. Während der Ferien gab es nur wenige Sitzungen im Landeskirchenamt, aber nun tagen die Gremien wieder im normalen Rhythmus.

Bei uns im Landeskirchenamt beginnen die Vorbereitungen für die Landessynode, die Vorlagen für die Ausschüsse müssen rechtzeitig fertiggestellt werden. Unter dem Titel „Kirchenleitung im Gespräch“ laden wir im September an vier Orte unserer Landeskirche ein, um im Vorfeld der Landessynode über unsere Ziele bei der Haushaltskonsolidierung zu informieren und Feedback zu erhalten.

Zurzeit bewegt mich besonders die Diskussion um die Sterbehilfe. Die Interviews von Nikolaus und Anne Schneider  haben mir auch gezeigt, welche persönliche Dimension diese Diskussion auf einmal haben kann.

Im Januar haben wir zum Thema Suizid auf unserer Synode beraten und die Handreichung „Niemand nimmt sich gern das Leben“  verabschiedet.

Auch im Blog und auf einer Diskussionsveranstaltung im Mai habe ich mich zum Thema Sterbehilfe bereits öffentlich geäußert. Ich weiß, Menschen können an der Last der Aufgabe, Ihr Leben zu bewältigen scheitern und zerbrechen. Doch gerade, wenn Menschen an der Grenze zum Suizid stehen, ist es nicht die Aufgabe der Kirche, dies moralisch zu bewerten, sondern dazu beizutragen, die Möglichkeiten zum Leben wieder bewusst zu machen und zu erweitern. Ich bin gewiss, dass weder Angehörige, die einen sterbenden Menschen begleiten, noch Kranke, die die Möglichkeit eines Suizids bedenken, aus der Beziehung zu Gott herausfallen. Deshalb haben wir uns in der Evangelischen Kirche im Rheinland dafür ausgesprochen, dass Menschen, die einen Suizid erwägen, auch seelsorglich begleitet werden – so geschrieben in einem Blogpost im Mai.

Im Bundestag nimmt nun das Gesetzgebungsverfahren zu Sterbehilfe Fahrt auf. Ein wichtiger Punkt ist, in wie weit eine assistierende Beteiligung am Suizid unter Strafe gestellt werden muss. Als Kirche wollen wir in diese Diskussion auch unsere Position einbringen. Theologischer Konsens ist die Forderung, jede Form organisierter – juristisch formuliert: geschäftsmäßiger – Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe zu stellen. Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, Suizid wäre eine „normale“ Option am Lebensende.

Um unsere Position für den Kontext in Deutschland zu schärfen, sehe ich mir zurzeit intensiv die Positionen evangelischer Kirchen in unseren europäischen Nachbarländern an. Beim Thema assistierter Suizid möchte ich auch die Rolle des Arztes bzw. der Ärztin mehr in den Blick nehmen. Deshalb führe ich Gespräche mit Ärztinnen und Ärzte.

Als Kirche wollen wir unsere Stimme in der Gesellschaft einbringen, dies kann jedoch nur im Dialog geschehen. Während wir noch unsere Position – gerade im Hinblick auf das laufende Gesetzgebungsverfahren  – in Details abklären, freue ich mich natürlich auch auf Rückmeldung von Ihnen, gerne auch im Blog hier.

Eine Antwort auf „Zurück aus den Ferien“

  1. Es freut mich, zu hören, dass Sie sich dieses Themas persönlich annehmen und die Impulse der Handreichung „Niemand nimmt sich gern das Leben“ weiter denken wollen. Innerhalb der Diakonie in Rheinland, Westfalen und Lippe arbeiten wir auch daran. Darum ist es mir ein Anliegen darauf hinzuweisen, dass dieses Thema in der Kirche nicht nur Seelsorger und Mediziner angeht. Zehntausende von Pflegekräften, ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und -begleiter und weitere Diakonie-Mitarbeitende stehen tagtäglich vor den ethischen Dilematta wie sie auf Sterbewünsche von Patientinnen und Patienten reagieren sollen. Es wäre schön, wenn Sie auch diesen Personenkreis und deren Fragestellungen mit in den Blick nähmen.

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