Mich besorgt, wie sich in kürzester Zeit friedenspolitische Ereignisse in den USA überschlagen: Im Ukraine-Krieg überraschen die USA mit einem 28 Punkte-Plan, der einseitig Positionen Russlands vertritt, und fordern erst eine sofortige Zustimmung, um dann Stück für Stück wieder zu korrigieren. In der nationalen Sicherheitsstrategie wird massive Kritik an der EU geäußert und eine Einmischung zugunsten nationalistischer, z.T. rechtsextremer Kräfte angekündigt. Vor Venezuela werden rechtswidrig Boote zerbombt und militärische Kräfte gebündelt. Menschen aus Somalia werden von Trump rassistisch als Müll bezeichnet. Und dann erhält eben dieser Präsident einen eigens geschaffenen Friedenspreis der FIFA. Das ist pure Anbiederung und eine Instrumentalisierung des Sports, die den eigenen Neutralitäts-Regeln widerspricht.
Wider autokratische Willkür und Bereicherung
Deutlich wird dabei, wie sehr das Handeln des US-amerikanischen Präsidenten von autokratischer Willkür und nationaler wie persönlicher Bereicherung angetrieben ist. Es geht nicht an, dass erneut Verhandlungen in weiten Teilen ohne die Ukraine stattfinden, die überfallen wurde, und ohne Europa. Und es ist unerträglich, wie hemmungslos beide, Russland und die USA, ihre Interessen zur eigenen Bereicherung verfolgen.
Gerechter Friede, keine Deals
Jede realistische Möglichkeit, das Töten zu beenden und einen Frieden herbeizuführen, muss ergriffen werden. Es ist jedoch höchst fraglich, ob die aktuelle Herangehensweise zu wirklichem Frieden führe. „Friede, Friede und ist doch kein Friede“ – gegen oberflächlichen Friedensverheißungen haben sich schon die biblischen Propheten gewandt (Jer 6,14). Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Ein Schweigen der Waffen ist ein erster, wichtiger Schritt. Doch nur ein gerechter Frieden hat Chancen, dauerhaft zu halten. Darauf haben die Menschen in der Ukraine ein Recht. Das ist keine Frage von Deals, in denen es um Rohstoffe und Aneignung fremder Territorien geht. Die neue Friedensdenkschrift der EKD „Welt in Unordnung“ hat noch einmal klar gezeigt, wie Schutz vor Gewalt und Freiheit, Gerechtigkeit und plurale Vielfalt in christlicher Perspektive unlöslich zusammenhängen. Darüber hinaus sind für einen ernstgemeinten Frieden verlässliche Garantien gefragt, die nicht bei jeder Gelegenheit ausgehebelt werden können. Die Ukraine hat sich schon einmal auf Verträge verlassen, die ihre Souveränität garantieren sollten, und ist verraten worden.
Mutig bleiben und den Schulterschluss üben
Die Welt ist aggressiver geworden – umso mehr müssen wir zusammenrücken. Europa und die EU vertreten Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit. Diese gilt es aufrechtzuerhalten. Gerade in bedrohlichen Zeiten ist es christliche Praxis, das Verbindende zu suchen, die Gemeinschaft zu stärken und aus der Hoffnung auf Gott widerständig zu leben. Diese adventliche Haltung ist es, was unsere Gesellschaft jetzt braucht.
Friede, Friede und ist doch kein Friede“ – sondern nur FIFA. Über gerechten Frieden statt Deals und politischer Wild-West-Methoden
12.12.2025
Thorsten Latzel
Mich besorgt, wie sich in kürzester Zeit friedenspolitische Ereignisse in den USA überschlagen: Im Ukraine-Krieg überraschen die USA mit einem 28 Punkte-Plan, der einseitig Positionen ...