Bald geht sie los, die Fußball-WM der Männer in Mexiko, den USA und Kanada. Ein internationales Fest, das – trotz der unsäglichen kommerziellen und politischen Instrumentalisierung – hoffentlich etwas vom Pfingstgeist der Völkerverständigung atmet. Pfingsten wird ja oft als Geburtstag der Kirche bezeichnet. Für mich klingen die alten Geschichten eher wie eine Mischung aus erster Liebe und gewonnenem WM-Finale. Feuer, Brausen, Begeisterung – Teamgeist, rausgehen, spielen: egal, wer du bist, wen du liebst, woher du stammst, welche Sprache du sprichst.
Ich weiß nicht, ob Sie, ob ihr euch noch daran erinnern könnt, wie ihr Fußball spielen und lieben gelernt habt, wie eure Liebe zum Spiel begonnen hat. Ich habe es durch die großen Jungs bei uns in der Straße gelernt. Sie waren alle Fans von verschiedenen Vereinen: Gladbach, HSV, Braunschweig. Aber: Wir alle waren „1. FC Eichelkamp“, Mitglieder unserer eigenen Straßenmannschaft in Bad Laasphe (Wittgenstein). So richtig mit eigenem Spielerpass, laufenden Nummern von 1–6. Unser einziger Gegner war die Mannschaft aus der Wallachei. Gespielt wurde auf dem Bolzplatz oder auf dem Waldsportplatz. Natürlich ohne Schiedsrichter: Fouls macht man nicht, zumindest keine heftigen. Und in der Pause ging die Sprudelflasche rum. Medium oder still kannten wir damals noch nicht.
Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir eigentlich fast immer verloren. Aber das war egal. Wir haben alles gegeben, den Platz umgegraben. Und beim nächsten Mal, beim nächsten Mal ganz sicher: Da schlagen wir die Wallachei!
Pfingsten: das hat für mich etwas von dieser ersten großen Liebe beim 1. FC Eichelkamp, nur ohne gegnerische Mannschaft, in einem großen Team. Ein Fest des Heiligen Geistes und mit Völkerverständigung zwischen allen Menschen – nach dem großen Finale, bei dem Christus über Gewalt, Hass, Tod und Sünde gesiegt hat. Da spielt es keine Rolle, welche Farbe dein Trikot, deine Haut oder dein Pass hat. Ob man wie die katholischen Geschwister in Weiß und Purpur für die Spielvereinigung Rom aufläuft oder wie wir Protestant/innen in klassisch Schwarz für die Fortuna Wittenberg bzw. Grasshopper Zürich.
Pfingsten: da geht es um Gottes unbedingte Liebe zu allen Menschen. Da geht’s um Begeisterung, Leidenschaft, einen Teamgeist wahrer Mitmenschlichkeit. Gott hat aus Liebe den Tod besiegt, die Hölle überwunden, die Welt auf den Kopf gestellt und wir sollten keinen Punkt machen, wo Gott einen Doppelpunkt setzt.
Pfingsten: das ist das Fest der ersten Liebe, wo Gott uns mit seinem Teamgeist ansteckt. Da heißt es für uns: raus auf die Straße, spielen, kicken, mit allen, die da sind. Und wenn die einen dann „Vamos, vamos Argentina“ anstimmen, die anderen „Football’s coming home“ singen und aus der deutschen Kurve ein „Völlig losgelöst“ erschallt, dann verstehen wir einander in unterschiedlichsten Sprachen. Und gemeinsam nehmen wir den Ball auf, den Gott ins Spiel gebracht hat.
Pfingsten: das ist das Fest der ersten Liebe – die Feier nach dem großen Finale Christi und zugleich ein Vorgeschmack auf das eine Fest, das wir dereinst einmal gemeinsam in Gottes Reich feiern werden.
– Wenn kein Leid und kein Geschrei mehr sein wird – und keine Tränen.
– Wenn wir endlich aufgehört haben, auf Kosten anderer zu leben.
– Wenn es keine Kriege, keinen Hass, keine Gewalt mehr geben wird.
– Und wir vom Wahn der großen wie kleinen Autokraten aller Lande befreit sind.
Und dann, dann werden wir alle gemeinsam jubeln – selbst mit den Jungs aus der Wallachei.
Doch bis es soweit ist, lasst uns spielen – fair, freundschaftlich und ohne Fouls. So wie Christus selbst es uns vorgelebt hat. Lasst uns Turniere wie die WM genießen und zugleich kritisch hinschauen, was neben dem Spiel passiert. Lasst uns allen entgegentreten, die den Sport politisch instrumentalisieren oder ökonomisch ausschlachten wollen.
Lasst uns für einen Sport eintreten, der Menschen wirklich verbindet und Werte und Gemeinschaft fördert.
Und nächstes Mal, nächstes Mal: Da schlagen wir die Wallachei mit Sicherheit!
Theologische Impulse (202) von Präses Dr. Thorsten Latzel
Bildnachweis: EKiR / Marcel Kuß.
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