Pressemitteilung

Geborgen sein, verantwortlich leben, erwartungsvoll hoffen. Was Christi Himmelfahrt bedeutet

  • 13.05.2026

Herkules, Iphigenie, Elia, Jesus, Maria.

Von ihnen allen wird erzählt, dass sie gen Himmel gefahren sind.

Genauer gesagt: Sie wurden „entrückt“ – dauerhaft, leiblich, ins Jenseits.

Das Besondere bei Jesus: Anders als die übrigen wird er nicht vom Tod bewahrt.

Er wird entrückt, nachdem er gestorben und auferstanden ist.

 

Viele können heute mit Himmelfahrt aber herzlich wenig anfangen.

Und denken bei diesem Feiertag eher an junge Männer mit Bollerwagen und Bier –

auch wenn deren Entrückung weder dauerhaft noch himmlisch anmutet.

 

Eine Pointe bekommt das Ganze erst, wenn ich es auf mein Leben beziehe.

Drei Gedanken dazu, was Himmelfahrt mir persönlich bedeutet:

 

  1. Geborgen in Gottes Liebe

Ich glaube, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist.

Gott tröstet, leitet, schützt mich – auch wenn ich Gott nicht sehe.

Oft begreife ich erst im Nachhinein, dass Gott in einer Situation da gewesen ist.

Der Begriff Himmel beschreibt in der Bibel diese verborgene Wirklichkeit.

Der „Himmel“, in den Christus „auffährt“, ist dann nicht irgendwo oben in den Wolken,

sondern in meinem eigenen Leben, in der Welt, die mich umgibt.

Das alles ist nun durch die Liebe bestimmt, die Jesus Christus gelebt hat.

Himmelfahrt Jesu – das heißt für mich:

Überall bin ich in dieser Liebe Christi geborgen – so wie in der Luft, die mich umgibt.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat das während seiner Gefangenschaft in einem Lied so ausgedrückt:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

  1. Erwachsen glauben und Verantwortung übernehmen

Weil Jesus Christus nun nicht mehr sichtbar unter uns ist, ist es an uns, an mir, ihm nachzufolgen.

Die Liebe zu leben, die Christus selbst gelebt und gelehrt hat:

Traurige trösten, mit Armen teilen, Einsame besuchen, Fremde aufnehmen.

Himmelfahrt beschreibt, dass Gott sich zurücknimmt und uns Menschen Raum gibt und in die Verantwortung nimmt.

Jetzt ist es an mir, im Geist Jesu Christi zu leben.

Dass Christus gen Himmel fährt, richtet meinen Blick auf die Erde: auf das, was vor meinen Händen und Füßen liegt.

So wie es in der Bibel die Engel nach der Himmelfahrt schön ausdrücken:

„Ihr Leute von Galiläa, was steht ihr da und starrt in den Himmel?“

Darum geht es für mich an Himmelfahrt.

Es geht um erwachsen glauben, um heilsame Erdung.

 

Und 3. Leben mit offener Erwartung

 

Himmelfahrt steht für mich für eine Lücke. Da ist noch etwas offen.

Eine Sehnsucht, eine unerfüllte Erwartung.

Das merke ich jeden Tag – spätestens, wenn ich die Nachrichten lese.

Ich bin noch nicht fertig. Das Leben, die Welt sind noch nicht fertig: weil es weiter viel zu viel Hass und Gewalt gibt.

Weil Christus noch fehlt, von dem es heißt: Er kommt wieder am Ende der Tage.

Bis dahin leben wir in einer Zwischenzeit. Das Beste kommt noch, heißt es in der Bibel.

Und ich will mich nicht zufriedengeben, bis Gottes Friede überall sichtbar da ist.

Christi Himmelfahrt drückt so eine Sehnsucht meines Lebens aus.

Mit der Bibel formuliert: Es ist noch nicht erschienen, wer wir sein werden.

Das hilft mir, mit den ganzen Absurditäten und Sinnlosigkeiten dieser Welt klarzukommen.

Himmelfahrt – das ist eine Hinfahrt, dessen Rückfahrt uns weiter verheißen ist.

Gott sei Dank!

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Himmelfahrtstag: geborgen in der Liebe Gottes,

mit einem geerdeten, erwachsenen Glauben und voller offener Sehnsucht.


Theologische Impulse (200) von Präses Dr. Thorsten Latzel

Bildnachweis: pixabay

Weitere Impulse: www.glauben-denken.de
Als Buch: www.bod.de

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  • Thorsten Latzel