Bausteine eines friedlichen Miteinanders

26. September 2020 von Manfred Rekowski

Interkulturelle Woche 2020
Interkulturelle Woche 2020

Wer diese Kolumne verfolgt, weiß: Ich bin nicht nur Wahl-Wuppertaler, ich bin überzeugter Europäer, ja – Weltbürger. Das mag auch daran liegen, dass ich selbst ein in Deutschland Eingewanderter bin. Vor allem aber glaube und vertraue ich dem Gott, der sich in Jesus Christus nicht weniger als jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde persönlich zuwendet.

Es gibt eine Woche im Jahr, die den Blick über den eigenen Tellerrand schärft: die Interkulturelle Woche. Am Sonntag, dem 27. September, beginnt sie. Und sie lebt von der Begegnung – was 2020 unter Pandemie-Bedingungen zugegebenermaßen eine Herausforderung, aber nicht unmöglich ist. Das werden zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen zwischen Aachen und Zwickau in den kommenden Tagen unter Beweis stellen.

Zu den eindrücklichsten Erlebnissen meines Jahres 2019 gehören die Treffen mit Familie Okumuşoğlu aus meinem Stadtteil. Das Ehepaar hatte mich zum Fastenbrechen im Ramadan eingeladen. Am Tag der Offenen Gesellschaft saßen wir wieder zusammen am Tisch, und im Advent waren sie bei meiner Frau und mir zu Gast. Gemeinsam zu essen gehörte zu diesen Begegnungen, vor allem aber das Gespräch über buchstäblich Gott und die Welt. Das verbindet. Und es überwindet – Unsicherheit angesichts des unbekannten Anderen, Grenzen von Religionszugehörigkeit und kultureller Prägung.

Aufrichtiges Interesse aneinander ist der Baustein eines friedlichen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen in unserer Vielfaltsgesellschaft. Nutzen Sie die Chancen, die die Interkulturelle Woche bietet. Setzen Sie Ihr Zeichen der Gemeinsamkeit und Solidarität gegen Hetze, zunehmenden Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit – gerne in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.

 

Von: Manfred Rekowski

2 Antworten auf „Bausteine eines friedlichen Miteinanders“

  1. Darf ich die unter 1 Promille Terroristen bei den Gesprächspartnern einmal unangetastet lassen, wenn ich aber gleichzeitig die rund 15 Prozent Populisten in den eigenen Reihen nicht ignoriere? Ich denke: „JA !“

    So möchte ich reagieren, wenn ich auf den Kampfmodus einsteigen wollen würde.

    Aber stattdessen höre ich Populisten zu, mache mir Gedanken über Ihre Angst und dann über meine Angst, und dann gehe ich Flüchtlinge besuchen, schon allein um „meine“ Normalität vorzuführen und nicht zu verstecken, wo es nichts zu verstecken gibt.

  2. Es stimmt: Die unvoreingenommene Begegnung zwischen den Kulturen ist ein Baustein des Friedens. Sie ermöglicht die differenzierte Betrachtung und Unterscheidung, zum Beispiel zwischen Islam, Islamismus und religiös motiviertem Terrorismus. Im Sinne des versöhnlichen Zusammenlebens will hier niemand das Kind mit dem Bade ausschütten.
    Unverständlich ist, wieso der Blogeintrag diese Differenzierung den Menschen schuldig bleibt, mit denen der Verfasser das christliche Bekenntnis teilt. Hier kommt er über gröbste Vereinfachungen nicht hinaus: Auf der einen Seite stehen für ihn Solidarität und Gemeinsamkeit. Auf der anderen Seite sieht er Hetze und Demokratiefeindlichkeit.
    Bei denen, die sich zu unserer Kirche halten, gab und gibt es aber vieles dazwischen. Und das möchte sich mit dem gleichen „aufrichtigen Interesse“ gewürdigt wissen, wie es der Verfasser seinen muslimischen Nachbarn im Ramadan entgegenbringt.

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