Denkanstöße durch ökumenische Partner

27. Juni 2015 von Manfred Rekowski

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – auch in der Kirche: Wer hier Kirche leitet, dem ist die Art, wie wir Gottesdienst feiern, vertraut. Wer nah dran ist, der kennt die Struktur unserer diakonischen Arbeit, dem ist die Gremienkultur in Fleisch und Blut übergegangen. Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist ebenso selbstverständlich wie die Strukturen und das Finanzsystem der Kirche. Aber wer aus Polen kommt, wo 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung der evangelischen Kirche angehören und es landesweit weniger Protestanten gibt als in Düsseldorf, merkt auf, staunt und wundert sich.

Ein Christ aus Rumänien, einem Land, in dem die Evangelische Kirche durch die Umsiedlung vieler Menschen nach Deutschland seit Jahrzehnten schrumpft, stellt nüchtern fest: Weniger werden, ist keine Katastrophe. Und wer aus dem Kongo kommend im Kontakt mit unserer Kirche auf Haushaltsplanung, Personalplanung, Konzeptionsentwicklung und strategische Ziele stößt, steht zunächst fast ehrfurchtsvoll vor so viel planerischem Bemühen, um dann zu empfehlen, weniger intensiv zu planen und umso mehr auf Gott zu vertrauen.

Um der eigenen Betriebsblindheit zu entkommen, haben wir 14 Christinnen und Christen aus Europa, Asien, Afrika und den USA eingeladen, die Evangelische Kirche im Rheinland elf Tage lang unter die Lupe zu nehmen. Zu dieser Besuchergruppe kamen noch je ein Mitglied der römisch-katholischen Kirche, der orthodoxen Kirche und einer freien evangelischen Gemeinde in Deutschland. Den Gästen haben wir weder eine protestantische Leistungsschau noch die rheinischen Schokoladenseiten präsentiert. Es ging vielmehr darum, dass Menschen, die aus anderen gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Kontexten kommen, unsere Kirche wahrnehmen, beobachten und beschreiben.

Im fast 30-seitigen Abschlussbericht, den die Kirchenleitung intensiv lesen und im Januar 2016 der Landessynode zur Beratung vorlegen wird, stehen viele deutliche Sätze, die das Nachdenken lohnen. Eines ist mir schon bei der ersten Lektüre deutlich geworden: die Kirche Jesu Christi ist ein von Gottes Geist bewegtes weltweites Unternehmen, ein Global Player in Sachen Barmherzigkeit, Recht und Frieden. Das bewahrt uns vor Provinzialität und verhindert, dass traditionelle Strukturen und Formen der Kirchlichkeit zu unverrückbaren Ewigkeitswerten werden. Wenn das keine gute Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017 ist.

Eine Antwort auf „Denkanstöße durch ökumenische Partner“

  1. „…die Kirche Jesu Christi ist ein von Gottes Geist bewegtes weltweites Unternehmen, ein Global Player in Sachen Barmherzigkeit, Recht und Frieden“
    Jesus kenne ich wohl, aber wer ist dieser „global player“ (vgl. Apg 19,15)?
    Lässt sich ihr Kirchenbegriff aus der Kirchenordnung der EKiR ableiten? Warum sagt Barmen V, für Recht und Frieden zu sorgen sei Aufgabe des Staates?

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