Ein Kelch, ein Gedenken und Schritte des Friedens

24. August 2019 von Manfred Rekowski

 

Meinen Urlaub habe ich in diesem Sommer in Polen verbracht. In gewisser Weise war es ein Nachhausekommen: Ich wurde 1958 in Masuren geboren. Die deutsch-polnische Geschichte ist Teil meiner Familiengeschichte.

Eine Station meiner Reise war das in der Nähe von Danzig gelegene KZ Stutthof. Bereits am Tag nach dem Überfall deutscher Truppen auf Polen am 1. September 1939 wurde dort ein Lager aufgebaut, in dem polnische Frauen und Männer inhaftiert und umgebracht wurden – menschenverachtend, brutal und systematisch.

Ich will an dieser Stelle nicht verschweigen, dass ich als Kind zu Hause nichts von dem Leid, das viele Polen im 2. Weltkrieg erlitten haben, gehört habe. Die Erfahrungen meiner elterlichen Familien in den letzten Kriegsmonaten und nach 1945 habe ich hingegen ausführlich erzählt bekommen.

Zu den bewegendsten Momenten meiner Reise zählt der Besuch der evangelischen Kirche in   Dźwierzuty, früher Mensguth. Für die kleine Gemeinde dort hatte ich ein Geschenk im Gepäck: einen in den Weltkriegs-Wirren verschollenen Abendmahlskelch, der vor einigen Monaten überraschend in einem Kölner Auktionshaus zur Versteigerung stand. Bis 1945 war er in den Gottesdiensten in Mensguth regelmäßig im Gebrauch.

Das Abendmahl und dieser Kelch erinnern an Jesus Christus, den Brückenbauer und Friedensstifter. Christus nimmt uns in die Pflicht, Schritte des Friedens zu gehen, die Begegnung und das Gespräch miteinander zu suchen.

Der 1. September, an dem wir des Ausbruchs des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren gedenken, ist für mich mehr als ein Antikriegstag. Er ist ein Tag, an dem ich dem Friedensstifter Jesus in besonderer Weise folge: Ich bin dabei, wenn die Gemeinden Rheydt am Niederrhein und Pasym in Polen via Skype gemeinsam Gottesdienst feiern.

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