Eine Synode in der katholischen Kirche – gibt’s das ?

4. Oktober 2014 von Barbara Rudolph

Ein herrliches langes Wochenende und ich plane zu wandern – da erreicht mich die Einladung des Bistums Trier zur Vollversammlung der Synode vom 2.-4. Oktober.

Synode?

In der römisch-katholischen Kirche?

Gibt es das ?

So gut wie nie – aber möglich. Das Bistum Trier hat eine Synode ausgerufen, die über mehrere Jahre in Vollversammlungen und Sachkommissionen arbeitet. Die Einladung an die Evangelische Kirche im Rheinland ist offiziell, der Trierer Bischof Stephan Ackermann lädt ökumenische Beobachter ein, die ihn und die Synode beraten sollen. Also – kein Wanderwochenende, sondern die Reise ins Bistum Trier zur Synode, wörtlich übersetzt: gemeinsam auf dem Weg sein, das Wochenende ist nun doch ein Wandern – einer besonderen Art: auf gemeinsamen Wegen in die Zukunft der Kirche.

Der pakistanische Theologe Fr. Emmanuel Asi, der ebenfalls Gast der Synode ist, fühlt sich an den Geist des 2. Vatikanischen Konzils erinnert: Hier wird offen diskutiert, neue Wege für die Diözese gesucht.
Der Bischof, selber nicht Mitglied der Synode, hört zu, fragt nach, bittet um Beratung und Fürbitte. Die Synodalen, nach einem festgelegten Schema aus Pristern, Ordensleuten, Haupt- und Ehrenamtlichen zusammengesetzt, fragen nach den „Zeichen der Zeit“, analysieren die Situation der Menschen von heute in der Gesellschaft und in der Kirche,diskutieren, und machen Vorschläge, „wie die Christinnen und Christen persönlich und gemeinsam den Weg des Glaubens im Bistum Trier unter den Bedingungen des 3. Jahrtausends gehen können“, wie es in der Präambel des Statuts der Diözesansynode im Bistum Trier (2013) heißt.

Was mir auffällt:

  •  Die Synode ist, anders als die regelmäßigen Synoden der evangelischen Kirche, in der römisch-katholischen Kirche eher eine Ausnahme. Ganz oft werde ich angesprochen: „Sie sind ja erfahren, was Synoden betrifft. Wie erleben Sie unsere katholische Synode?“ Ich spüre die Aufbruchstimmung, die geistliche Suche in Gottesdienst und Gebet, die Begeisterung für den offenen Austausch, die Sorge vor zu hohen Erwartungen, die Freude (und Irritation) an ehrlichem Voten. Eine lebendige Kirche – ein herrlicher Gesprächspartner für die Rheinische Kirche, die selber in Umbruchszeiten steht.- Die Vielfalt der Synodalen ist spannend und bewegend: Gehörlose und Menschen im Rollstuhl, Professoren und Mitglieder des Domkapitels, junge Erwachsene und selbstbewusste Frauen: die 278 Synodalen sind ein gelungener Querschnitt der kirchlichen und gesellschaftlichen Gruppen – und alle reden mit. Anders allerdings als in der evangelischen Kirche entscheiden die Synodalen am Ende nicht endgültig, sondern sie legen dem Bischof einen Vorschlag vor, über den er dann entscheiden wird. Weihbischof Rene Leigne aus Bolivien, Gast der Synode, macht dem Bischof Mut: „Es ist jetzt die Zeit zu hören, was das Volk Gottes zu sagen hat. Und das Volk hat etwas zu sagen.“
  • Was das Volk Gottes zu sagen hat, kann man an den Zwischenergebnissen der zehn Sachkommissionen erkennen, die auf einem „Markt der Möglichkeiten“ am ersten Abend der Synodentagung vorgestellt und an den nächsten beiden Tagen diskutiert werden. Z.B.: Was ist heute eine Familie?
  • Von einer Aufgaben orientierten zu einer Charismen orientierten Kirche – Zukunft der Pfarreien: ihr Ende – neue Möglichkeiten?
  • Der Sonntag zwischen Pflicht zur Messe und moderner Freizeitgestaltung – Kriterien für einen missionarischen Lebensstil

Zu manchen besonders brisanten Themen gibt es gesonderte Werkstätten, wie im Sommer zu der Frage der „geschiedenen Wiederverheirateten“. Diese Frage z.B. berührt mich als evangelische Christin nicht, andere sind fast gleich mit den Fragen in unserer Kirche: z.B. die Überlegungen nach der Gestaltung von Gemeindearbeit mit weniger Pfarrpersonen und weniger Geld.

Eine katholische Kirche mit reformatorischen Fragen, die sich durch ökumenische Beobachter beraten lässt, die wiederum gut beraten sind, wenn sie nicht nur beobachten sondern ökumenisch lernen. Eine Kirche in Umbruchs- und Aufbruchsstimmung – gewollt und ungewollt – die ein wichtiger Gesprächspartner für die EKiR in ihrer gegenwärigen Situation ist. Und ein ermutigender Austausch in der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017, zu dem die Evangelische Kirche Pfingstmontag 2017 nach Koblenz auf die Feste Ehrenbreitstein einlädt.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Bischof Dr. Stephan Ackermann
Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Bischof Dr. Stephan Ackermann

Die Synode des Bistums Trier arbeitet weiter, 2015 soll das endgültige Ergebnis vorliegen. Das „gemeinsam unterwegs sein“, der synodale Weg ist – mit oder ohne Wanderwochenende – seine Zeit wert. Es lohnt sich, sich davon in unseren Gemeinden, Kirchenkreisen und der Landeskirche von den katholischen Synodalen berichten zu lassen.

Barbara Rudolph

Von: Barbara Rudolph

2 Antworten auf „Eine Synode in der katholischen Kirche – gibt’s das ?“

  1. Liebe Frau Oberkirchenrätin Rudolph,

    ich bin über die Facebook-Seite für die Synodalen auf Ihren Beitrag gestoßen und es ist mir ein spontanes Bedürfnis, Ihnen dafür Danke zu sagen. Genau so, wie Sie es beschreiben, erlebe ich die Synode auch. Und auch die Selbstverständlichkeit im ökumenischen Miteinander, Ihre wohltuenden Gedankenanstöße im Plenum und am Rande eingeschlossen,lassen mich für unseren gemeinsamen Weg beste Früchte erhoffen.

    Herzliche Grüße aus Trier.
    Markus Nicolay

  2. Liebe Schwester Barbara Rudolph,

    als evangelisches Mitglied eines (katholischen) Dekanatsrates habe ich das Glück, diese Trierer Synode von Anbeginn an mitverfolgen zu dürfen – in Beratungen und im Austausch mit den Synodalen aus unserer Region. Ich erlebe, dass die „Laien“ und ihre Gedanken gefragt sind. Bin gespannt auf die Ergebnisse – ein erstes ist ja schon erreicht: das Gespräch von Verantwortlichen in den Pfarreien mit der Bistumsleitung hat begonnen.

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