Entscheidungen im Dialog vorbereiten

26. Juli 2013 von Manfred Rekowski

In den letzten Wochen haben wir als Kirchenleitung einige Entscheidungen treffen müssen, die uns nicht leicht gefallen sind. Sie waren aber aus unserer Sicht sachlich notwendig, damit wir die Handlungsfähigkeit für unsere Kirche bewahren können. Wir werden sparen müssen und das schneller und mehr, als ursprünglich geplant. Es wird auf landeskirchlicher Ebene einschneidende Veränderungen geben. In der Kirchenleitung waren wir uns einig, dass wir diese Ergebnisse unserer Beratungen offen und transparent kommunizieren müssen und wir das nicht auf einen Zeitpunkt im Herbst verschieben konnten.

Wir müssen nun überlegen, welche konkreten Entscheidungen wir zu treffen haben. Mir ist dabei wichtig, dass wir nicht nur übers Geld und übers Sparen reden, sondern inhaltlich bestimmen, wie unsere Kirche in der nahen Zukunft aussehen muss, welche Strukturen notwendig sind, damit sie eine Kirche der Verkündigung, der Seelsorge und des Handels für andere bleibt.

Ende September haben wir deshalb eine Werkstatt für Zukunftsfragen geplant. Zuvor, zwischen den Sommer- und Herbstferien, werde ich gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Kirchenleitung in verschiedenen Regionen zu Informationsveranstaltungen einladen, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Sobald die Termine und Orte feststehen, werden wir diese mitteilen. Wir haben keinen Masterplan, den wir hervorziehen könnten, sondern wollen die Entscheidungen über die zukünftigen Strukturen unserer Kirche im Dialog vorbereiten, entscheiden müssen unsere Gremien.

Deshalb hat die Kirchenleitung auch beschlossen, zu einer außerordentlichen Landessynode am 23. November nach Hilden einzuladen. Diese außerordentliche Tagung der Landessynode dient dazu, einen Beratungsprozess über Schwerpunktsetzungen auf landeskirchlicher Ebene zu beginnen. Wir werden uns miteinander verständigen müssen, wie wir die Arbeitsweise, die Arbeitsformen und die Strukturen unserer Kirche verändern können, damit wir auch unter veränderten Bedingungen eine verkündigende, seelsorgliche, diakonische und gesellschaftspolitisch wirkende Kirche bleiben.

Natürlich hätte ich gerne andere Nachrichten zum Ferienbeginn gehabt, aber mir war es wichtig, Ihnen diesen Fahrplan für den Sparprozess in unserer Kirche noch mitzuteilen, bevor ich in den Sommerurlaub gehe.

Wenn Sie Ferien machen, wünsche ich Ihnen eine gute Zeit zum Auftanken; bleiben Sie zu Hause, hoffe ich, dass Sie den Sommer genießen können.

Ihr

Manfred Rekowski

Von: Manfred Rekowski

7 Antworten auf „Entscheidungen im Dialog vorbereiten“

  1. Lieber Bruder Rekowski,
    bereits meine Vorschreiber haben auf das Spardiktat auf allen Ebenen hingewiesen. Ich kann das grundsätzlich akzeptieren. Mich stört hier das Vorgehen der Landeskirche, dass sich nicht unbedingt nach den Gesetzen der Medien richtet:
    1. Eine schlechte Nachricht zu Begin der Sommerferien; muß denn diese Öffentlichkeitswirksamkeit sein?
    2. Im Blog schreiben Sie: „haben wir als Kirchenleitung einige Entscheidungen treffen müssen“ und „Wir müssen nun überlegen, welche konkreten Entscheidungen wir zu treffen haben“; ja was denn nun? Ich bin gespannt, welche der getroffenen Entscheidungen in Veranstaltungen vorgestellt werden.
    Die nach den Kommentaren abgegebene Erklärung zur Notwendigkeit und/oder Erforderlichkeit von Aufgabenstellungen und Leistungen der unterschiedlichen kirchenlichen Ebenen bedingt unmittelbar wieder eine Priorisierung und keine Klarheit. Das ist dann wohl (Kirchen-)Politik.
    Einzige Aufgabenstellung unserer Kirche ist die Verkündigung der frohen Botschaft und der heiligen Schrift! Ich wünsche unserer Kirche, dass es keine Kirchenschließungen, Gottesdienstreduzierungen u.a.m. gibt; wie das in den Gemeinden wirkt, können wir bei unseren katholischen Brüdern feststellen. Und wenn wir uns keine Pfarrer mehr leisten können, würde ich mit Luther nach dem Laienamt rufen.
    Gerne werde ich die Umsetzung der getroffenen Entscheidungen verfolgen und warte auf die zu treffenden Entscheidungen, auf das meine Kirche auch meine Kirche bleibt.
    Gottes allumfassender Ratschluß für alle Leitungsgremien unserer Kirchen!
    Ihr
    Karl E. Kauert

  2. Ich habe gestern Abend die Veranstaltung „Kirchenleitung im Gespräch“ in Oberhausen besucht. Mir ist klar geworden, dass wir den gleichen Zwängen unterliegen wie die denen der Öffentlichen Haushalten.
    Die Jobs werden letztendlich nur die Angestellten der Landeskirche verlieren. Die Pfarrer und die anderen Beamten sind nicht kündbar.
    Oder sind wir doch irgendwie kreativ und können das Arbeitsrecht vielleicht anders gestalten. z.B. jeder Pfarrer zahlt 100 €, jeder Beamter 50 € und jeder Angestellter zahlt 25 € in ein Solidarfond ein, können wir so vielleicht einige unaufgebbaren Bereiche unserer Kirche retten? Wenn uns es nicht gelingt einen Zukunftssicheren Weg für unsere Kirche zu finden, dürfen wir die Politik in unserem Land nicht mehr kritisieren.
    Und zuletzt macht die kirchliche Verwaltung das Licht aus, denn sie bleibt zuletzt übrig.

    Liebe Grüße aus einer kleinen, aber wachsenden Gemeinde in Oberhausen, die trotz aller Anstrengungen in den letzten Jahrzehnten irgendwann ein Opfer des Systems wird und ein besonderes Gemeindeprofil verloren geht.

    Thomas Wratschko

  3. Liebe Bloggerinnen und Blogger,
    aus dem Urlaub zurückgekehrt melde ich mich nun wieder auf diesem Wege zu Wort und gehe dabei auch auf einige Ihrer Reaktionen ein.
    Am Sonntag habe ich gemeinsam mit einer großen Gemeinde in der Konstantin-Basilika in Trier einen schönen und festlichen Gottesdienst zur Einführung des neuen Superintendenten und vier weiterer KSV-Mitglieder feiern können (http://www.ekir.de/trier/448.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3351&tx_ttnews%5BbackPid%5D=34&cHash=d6e1fcb7b984dffcf612489292751e40). Es ist ermutigend zu sehen, dass sich immer wieder Frauen und Männer bereit finden, die sehr anspruchsvollen Leitungsaufgaben auf den unterschiedlichen kirchlichen Ebenen wahrzunehmen. In meiner Ansprache habe ich u.a. auch Bezug genommen auf die uns derzeit bewegenden Zukunftsfragen: „Prognosen und Trends sind für uns nicht maßgeblich. Prognosen, Statistiken und Bilanzen beantworten nicht die für uns wichtigen Fragen. Aber sie helfen durchaus, richtige Fragen zu stellen. Wir sind Kirche Jesu Christi, unabhängig von unserer Größe und Finanzkraft. Wir haben den Auftrag,die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk (These 6 der Barmer Theologischen Erklärung)‚ – zu diesem Auftrag gibt es keine Alternative. Menschen auszurichten, dass sie bei Gott angesehen sind, unabhängig davon, ob sie ansehnlich sind oder sich so fühlen. Ob wir quantitativ wachsen werden, steht dahin. Aber dass der „Heilige Gottes“ wirkt, steht außer Frage.“ Unter diesem Vorzeichen kann man getrost und mutig Leitungsverantwortung wahrnehmen. Damit und mit der Erinnerung an den gemeinsamen Auftrag, die gute Botschaft zu den Menschen und die Menschen zu der Botschaft Gottes zu bringen, will ich sehr bewusst auch ein Vorzeichen setzen, das vor allen Finanz- und Strukturüberlegungen stehen muss.

    Natürlich geht es sehr grundsätzlich darum, zu klären, welche Aufgaben zukünftig auf landeskirchlicher Ebene wahrgenommen werden können. Neben der Zuständigkeit für die Ausbildung der Theologinnen und Theologen, der Aufsicht und der Öffentlichkeitsarbeit (das waren nach Vorstellung des verstorbenen Präses Peter Beier die drei wesentlichen Aufgaben der Landeskirche), werden auf landeskirchlicher Ebene viele die Gemeinden und Kirchenkreise unterstützende Aufgaben wahrgenommen (z.B. Gemeindeberatung, Amt für Jugendarbeit). Ebenso werden aber auch Aufgaben wahrgenommen, die die Angebotspalette der Gemeinden und Kirchenkreise ergänzen (z.B. Studierendenseelsorge, Akademiearbeit). All diese Aufgaben wurden als wichtig erkannt und durch entsprechende Beschlüsse übernommen. Dass wir mit weniger Geld aber nicht den bisherigen Aufgabenkatalog erledigen können, ist klar. Welche Aufgaben wir zukünftig auf landeskirchlicher Ebene wahrnehmen werden, muss nun wiederum gemeinsam entschieden werden.

    Ich gehöre nicht zu denen, die Verwaltung für ein „notwendiges Übel“ halten. Sie soll und kann helfen, dass wir unsere Arbeit gut und nachvollziehbar organisieren. Verwaltungskosten müssen in einem vertretbaren finanziellen Rahmen bleiben. Zu überlegen ist schon, ob die Kriterien, die etwa durch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vorgegeben werden, geeignet wären, die Relation zwischen dem Finanzeinsatz für die „Kernaufgaben“ und die Nebenkosten unserer Kirche zu bestimmen (vgl. Seite 7 aus http://www.dzi.de/wp-content/uploads/2011/11/DZI-Spenden-Siegel-Leitlinien-2011.pdf). Deshalb wird ernsthaft darüber nachzudenken sein, wie wir unaufwändiger verwalten können.

    Ich weiß sehr wohl, dass unsere Arbeit noch nicht überall überzeugend und einladend gelingt. Aber ich nehme bei vielen Begegnungen wahr, dass wir eine verkündigende, seelsorgliche, diakonische und gesellschaftspolitisch wirkende Kirche sind. Richtig finde ich, dass wir gemeinsam fragen, wie wir morgen und übermorgen unter veränderten Bedingungen Kirche sein wollen. Ganz sicher sollen und wollen wir nicht eine um sich selbst kreisende mit Organisationsfragen befasste Kirche sein, sondern eine Kirche für andere, die sich von Christus den Weg zu den Menschen zeigen lässt

    Mit einem herzlichen Dank für Ihr Mitdenken und Ihre Nachfragen grüße ich Sie recht herzlich

    Ihr Manfred Rekowski

  4. Meinem Mitbruder Nickig kann ich 100 % zustimmen. Bisher wurde beim Sparen augenscheinlich nur immer auf die kleinen Kirchengem. überall im Lande geguckt und wie diese wohl sparen können. Auch leistet sich die Kirche im Rheinland und versch. Kirchenkreise eine Vielzahl an Bildungseinrichtungen die vom Grundsatz her bestimmt o.k sind.Aber brauchen wir diese Fülle oder könnte es auch dort Zusammenschlüsse oder sagen wir eher Verzahnungen von ähnlichen Diensten geben ?

  5. Als Presbyter finde ich es unfassbar, wieviel Kirchensteuer-Mittel im Landeskirchenamt verschwendet werden, z.b. für ein gemeindefernes, ideologisches „Gender-Referat“ mit hochbezahlten Stellen, das keinerlei Nutzen für die Gemeinden bringt. Warum wird hier nicht mit dem Sparen begonnen?

    E. Nickig, Presbyter, Wetzlar

  6. Sehr geehrter Präses Rekowski,
    Zitat:
    “ … damit wir auch unter veränderten Bedingungen eine verkündigende, seelsorgliche, diakonische und gesellschaftspolitisch wirkende Kirche bleiben.“

    Eine riesen Chance wäre doch auch, diese Krise zu nutzen und uns zu fragen, wie wir das nicht bleiben, sondern WERDEN können.

    Herzliche Grüße aus dem gmd
    Ihr
    Martin Kaminski

  7. Erstmal, lieber Präses Rekowski, wünsche ich Ihnen einen erholsamen Urlaub und Gottes Segen und Geleit für dies Zeit.
    Die Nachrichten hören sich nicht gut an. Aber es muss wohl überall gespart werden, dass fängt beim Normalverdiener an und hört bei Kirche auf (Politik ausgenommen).
    Ich als ehemalige Mitarbeiterin eines Kirchenkreises frage mich, warum nicht zum Beispiel auch in den Verwaltungen geprüft wird, wie dort effizienter und kostengünstiger gearbeitet werden kann. Wenn weiter an Pfarrstellen gekürzt wird, Kirchen geschlossen werden, immer mehr Regionen zusammengelegt werden, wo bleibt da das evangelische glaubende Gemeindemitglied, wo bleibt da der an Gott glaubende Mensch?
    Manche müssen Sonntags zum Gottesdienst 20 km fahren, was bedeutet es, wenn der/die Pfarrer/innen keine Zeit mehr haben, weil diese extrem überlastet sind, wenn Seelsorge und ein hilfreiches Gespräch erst in ein paar Tagen möglich ist und nicht, wenn man es braucht. Die Jugend fehlt und rückt nicht nach, wenn ich bedenke wie lebendig ich Kirche in meiner Jugendzeit erlebt habe, macht mich das sehr traurig. Wenn nun die Kirche auch noch vom Sparen, sparen und nochmals sparen redet, frage ich mich, was mein Glaube dazu sagt: „Der Herr ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“ – Möge dieser Psalm Sie und alle Mitglieder der Synode, die so schwere Entscheidungen zu treffen haben, auf ihrem Weg und bei ihren Beratungen begleiten. Was ich mir für sie und für mich wünsche ist „lebendige Kirche“, Pfarrer die Zeit haben, Seelsorge wenn man sie braucht, offene Kirchen in der Nähe, damit ich Gott besuchen kann!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.