Händewaschen und Beten

23. Mai 2020 von Manfred Rekowski

Wie halten Sie’s mit dem Händewaschen? Gründliches Händewaschen ist wichtig, um die Gefahr einer Virusinfektion zu minimieren. Doch wie lange muss das dauern? 20 bis 30 Sekunden werden empfohlen: das ist zweimal hintereinander „Happy birthday“ zu singen; oder – so rechnete jemand aus – einmal das Vaterunser zu beten.

Dabei ist für mich beim Beten weder die Dauer entscheidend, noch ist es der Ort. Für mich als Christ ist es vielmehr wichtig, dass ich bete und so mit Gott im Gespräch bleibe – gerade jetzt: über das, was mir mit Blick auf das neue Virus Angst macht; über das, was ich nicht verstehe; über das, was mich zweifeln lässt. Ja, die Bedrohung, die mir mit dem Corona-Virus so auf den Leib rückt, ist eine Anfrage an den Glauben. Ja, ich erschrecke, wenn ich sehe, wie elend Menschen mit einer COVID 19-Erkrankung sterben. Ja, nicht erst seit dieser Pandemie frage ich mich nach dem Sinn des Leids in der Welt.

Ich frage das nicht nur mich, sondern ich frage das auch Gott. So wie ich meinen Dank und mein Lob im Gebet vor ihn bringe, komme ich mit meinen Zweifeln, meiner Wut, meiner Angst und meiner Sorge zu ihm. Nein, ich bekomme von ihm nicht die allumfassende Antwort auf meine Fragen nach dem Warum. Aber ich erlebe im Beten, dass ich in Gott ein Gegenüber habe. Ich erinnere mich daran, dass er in Jesus Christus selbst Mensch geworden ist. Das heißt: Er kennt unsere Menschen-Fragen und unsere Menschen-Not. Im Beten spüre ich, dass Gott mich stärkt und ermutigt. Dann bekomme ich das Herz, den Kopf und die Hände frei, um im Vertrauen darauf, dass Gott uns auch jetzt nicht alleine lässt, zu tun, was anderen und mir hilft: Und ja, auch Händewaschen und Beten zählen für mich dazu.

Eine Antwort auf „Händewaschen und Beten“

  1. Beten beim Händewaschen –
    kürzlich, sehr geehrter Bruder Präses, versandte das Leo-Baeck-College (Rabbinatsausbildung des UK-Reformjudentums / früherer Principal: Jonathan Magonet) „Corona“-Gebete, darunter eines zum/beim Händewaschen:
    As I take up my hands
    to wash them and
    reassure my heart,
    I pray for healing and wholeness
    for the whole world.
    I remember that every life
    is unique and of infinite value:
    from those living
    on the most remote part of the globe
    to those in our cities
    to our neighbours and family members.
    Let me use my hands for good
    to help bring love
    and compassion to others.
    “Let us lift up
    our hearts and hands
    to the Eternal.”(Lam 3:41)

    Nun, da ich daran gehe,
    meine Hände zu waschen und
    mein Herz zu festigen,
    bete ich um Heilung und Ganzheit
    für die ganze Welt.
    Ich gedenke daran: jedes Leben
    ist einzigartig und von unendlichem Wert:
    all derer, die leben
    in den entlegensten Teilen der Welt,
    in unseren Städten
    und unter unseren Nachbarn und Familien.
    Gib, dass ich meine Hände nutze und helfe,
    dass Liebe und Mitgefühl zu anderen gelangt.
    (Wie es heißt – Klagelieder 3:41):
    „Laßt mit den Händen uns das Herz erheben zu Gott im Himmel!“

    (Vor dem Kabbalat Schabbat Empfang ist in den Synagogen die Netilat Yadayim üblich – ein Händewaschen mit Gebet)

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