Idomeni darf nicht so bleiben

12. April 2016 von Manfred Rekowski

Vielen Dank für Ihre Rückmeldungen und Kommentare. Der Besuch in Idomeni hat uns sehr bewegt, hier im Blog auch die gemeinsame Erklärung.

Gemeinsame Erklärung

nach dem Solidaritätsbesuch von Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Kirchen im Rheinland, in Hessen und Nassau und des Reformierten Bundes in Idomeni und bei evangelischen Kirchen in Griechenland, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind

 

„In Idomeni harren derzeit zwischen 12.000 und 14.000 Menschen unter erbarmungswürdigen Umständen vor der mittlerweile geschlossenen griechisch-mazedonischen Grenze auf Feldern aus. 40 Prozent von ihnen sind Kinder, viele unter 14 Jahre alt. Die Lage ist katastrophal. Es mangelt an menschenwürdiger Unterbringung, geregelter Versorgung und Sicherheit. Humanitäre Standards sind weit unterschritten. Da auch aus offiziellen Lagern in Griechenland berichtet wird, dass die Versorgung ungenügend ist und Unklarheit über die möglichen Verfahren besteht, vertrauen die Flüchtlinge den Aufrufen, in andere Lager zu ziehen, nicht.

Unterstützt werden die Menschen fast ausschließlich durch beeindruckendes Engagement von Ehrenamtlichen aus Kirchen und Initiativen. Obwohl die griechische Bevölkerung unter der Wirtschaftskrise leidet, helfen viele Griechinnen und Griechen mit ihren eigenen Mitteln, das Leid zu lindern.

Es ist Schutzsuchenden fast unmöglich, einen Asylantrag zu stellen, denn es gibt ausschließlich und immer nur für kurze Zeit eine Online-Registrierung für ein Asylverfahren. Weil sich innerhalb dieses kleinen Zeitfensters nur selten Menschen registrieren lassen können, grenzt es an eine Lotterie um Asylplätze. Damit wird ihnen ein zentrales Menschenrecht vorenthalten.

Solche Zustände darf es mitten in Europa nicht geben. Es ist gemeinsame Aufgabe der Europäischen Union und der Mitgliedsstaaten, dafür Sorge zu tragen, dass Schutzsuchende in Europa menschenwürdig untergebracht und registriert werden und zeitnah Zugang zu einem regulären Asylverfahren bekommen.

Da beides in Griechenland gegenwärtig offenbar nicht gewährleistet werden kann, angesichts geschlossener Grenzen die Zahl der Flüchtlinge in prekärer Situation kontinuierlich steigt und die humanitäre Krise in Griechenland immer gravierender wird, halten wir es für dringend geboten, dass Schutzsuchende auch von Idomeni aus umgehend Zugang zu Umsiedlungsprogrammen (Relocation) haben, um in anderen europäischen Ländern ihre Asylverfahren zu durchlaufen.

Entsprechend sollten die EU-Mitgliedsstaaten und die mit dem Umsiedlungsprogramm befassten Agenturen mit den griechischen Behörden schnell und unbürokratisch die Umsiedlung insbesondere von allein reisenden Frauen und Frauen mit Kindern ermöglichen. Zugleich muss der Zugang zum Asylverfahren in Griechenland zügig und zuverlässig gestaltet werden. Mit gemeinsamen Anstrengungen der europäischen Staaten sollte es möglich sein, diese beschämende Situation innerhalb von zwei bis drei Monaten aufzulösen und den Flüchtlingen endlich Schutz zu gewähren.

Die meisten der in Idomeni gestrandeten Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan und sind mit hoher Wahrscheinlichkeit schutzberechtigt. Viele haben Familienangehörige in Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Wir bitten insbesondere die deutsche Regierung dringend darum, in solchen Fällen eine Zusammenführung der getrennten Familien schnell und unbürokratisch zu ermöglichen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau wollen die Flüchtlingsarbeit der Kirchen und kirchlichen Einrichtungen in Griechenland verstärkt und auch finanziell unterstützen. Gestärkt werden sollen sowohl die dringend notwendige humanitäre Hilfe vor Ort als auch die Beratungsstrukturen, um Schutzsuchenden zu ihren Rechten zu verhelfen, insbesondere wenn es um die Zusammenführung von Familien geht.“

Von: Manfred Rekowski

Eine Antwort auf „Idomeni darf nicht so bleiben“

  1. Na, der Wunsch wird ja jetzt erfüllt: Idomeni wird platt gemacht, die Bewohner werden „umgesiedelt“. Ob und welches Problem damit gelöst wird, wird sich zeigen. Auf jeden Fall sind die von allen Verlassenen erst mal von der Bildfläche.

    Ich hätte mir gewünscht, die reichen deutschen Kirchen hätten die 10.000 Leute aus Idomeni aufgenommen und sie integriert. Wären nicht mehr als ca. 200 pro Landeskirche oder Bistum. Aber das ist sicher zu teuer und zu aufwändig. Dann doch lieber „Gesicht zeigen“. Fragt sich nur, welches.

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