In Ruanda und auch bei uns: Versöhnung ist eine Lebensaufgabe

4. Mai 2019 von Manfred Rekowski

Versöhnung in Ruanda
Versöhnung in Ruanda

Zehren Sie auch noch von Ostern? Vom Süßen im Osternest, dem Spaß am Eiersuchen, von Gesprächen beim Brunch und entspannten Urlaubstagen?

In mir klingen Worte nach, die eine junge Pfarr-Kollegin in den sozialen Medien verbreitete. „Ostern ist“, sagte sie, „wenn Gott etwas neu macht, wenn er kaputte Herzen und angerissene Seelen wieder zusammenfügt.“ Das trifft für mich den Nerv. Ostern ist nicht zuerst ein Datum im Kalender, Ostern ist ein Beziehungsgeschehen. Gott hat Jesus aufgeweckt in ein neues Leben, das unzerstörbar ist. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden, sagt die Bibel.

In Ruanda, für das sich meine Kirche mit Brot für die Welt, der Kindernothilfe und der Vereinten Evangelischen Mission stark macht, wird das konkret (dazu: story.ekir.de/ruanda). 1994 ermordeten dort vor allem Hutu brutal ihre Landsleute, Tutsi und gemäßigte Hutu, Nachbarn, mit denen sie Tür an Tür lebten. In hundert Tagen starben mehr als 800.000 Menschen. Heute, 25 Jahre nach dem Völkermord, ist Versöhnung immer noch eine Aufgabe von Generationen – und für den Einzelnen eine Lebensaufgabe.

Mich beeindruckt, wie sich Christinnen und Christen in Ruanda um Versöhnung bemühen. Das Aufarbeiten der Geschichte in Trauma-Zentren schafft oft erst die Voraussetzung für Versöhnungsbereitschaft. Gleiches gilt für Programme zur Selbsthilfe: Wer auf eigenen Füßen steht, kann auch auf die Feinde von gestern zugehen.

Für Christenmenschen ist Jesus Christus, der alle Menschen unterschiedslos liebt, der Versöhner schlechthin. Ihm zu glauben, heißt dafür einzustehen, dass Versöhnung möglich ist – trotz allem. „Nach dem Tod kommt wieder Leben“, höre ich die eingangs zitierte Kollegin sagen. Christenmenschen sind Ostermenschen, sind Versöhnungsmenschen.

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