Kirche muss immer reformiert werden

21. März 2014 von Manfred Rekowski

Auf der Missionale durfte ich ein Seminar zum Thema „Wie viel Unordnung verträgt eine missionarische Kirche?“ halten.

Ich bin kein Verfechter der Unordnung an sich, aber manchmal sind Strukturen so einengend, dass sie das verhindern, wofür sie eigentlich gedacht sind. Um als Kirche bei den Menschen zu sein, müssen wir beweglich sein, wir dürfen unsere Botschaft nicht in starre Strukturen pressen, sondern müssen uns auf machen und eingefahrene Gleise verlassen. In diesem Sinne brauchen wir auch Unordnung als missionarische Volkskirche.Wir müssen wieder lernen, über den eigenen Glauben zu reden, das geht eben nur, wenn wir nahe bei den Menschen sind. Eine Voraussetzung dafür ist ein gutes Miteinander aller Mitarbeitenden, ob im Haupt- oder Ehrenamt. Wir wollen Menschen mit der biblischen Botschaft erreichen, daher macht es mich nachdenklich, dass die Bibel eine dünne Broschüre ist im Vergleich zur Rechtssammlung unserer Landeskirche. Strukturen dürfen kein Selbstzweck sein, deshalb sollten wir kritisch prüfen, was wir an Ausschüssen und Arbeitskreisen haben – und welche wir wirklich brauchen. Wir alle müssen lernen – und da schließe ich mich als Theologen ein – auch Dinge aus der Hand zu geben, auch wenn es manchen von uns schwer fallen mag, nicht in jedem Gremium zu sitzen.

Im Seminar haben wir gemeinsam überlegt, wie sich unsere Kirche ändern kann. Dass unsere Kirche keine auf Ewigkeit festgelegte starre Struktur hat, wussten bereits die Reformatoren. Reformierte Theologen im 17. Jahrhundert prägten dafür den Satz „ecclesia semper reformanda“ – die Kirche muss immer reformiert werden.

Über zweihundertfünfzig Vorschläge wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf Kärtchen geschrieben, gestern habe ich eine Auswertung bekommen – acht Seiten Text ist die Dokumentation.

Ich kann nicht auf die Vorschläge im Einzelnen eingehen, deshalb habe ich gebeten, diese zu visualisieren. Seit einem Jahr blogge ich, auf vielen Blogs findet sich eine Wortwolke, je größer ein Wort, desto häufiger kommt es im Blog vor.

Wortwolke vom Workshop auf der Missionale
Wortwolke vom Workshop auf der Missionale

Die Wortwolke für das Seminar macht mir deutlich. Die Gemeinde steht im Mittelpunkt. Sie ist der Ort, wo Menschen Glaube erleben. Bei allen Diskussionen, welche Strukturen wir in Zukunft benötigen, müssen wir fragen, wie diese der Gemeinde dienen, denn durch die Gemeinschaft wird auch Glaube erfahrbar.

Von: Manfred Rekowski

4 Antworten auf „Kirche muss immer reformiert werden“

  1. Die Visualisierung als „Wortwolke“ ist ausgesprochen gut und ergibt sicherlich ein schön gerahmtes Bild im Eingangsbereich des Landeskirchenamtes oder vor dem Präseszimmer. Mehr nicht, aber einladend schön …

    Wichtiger: Wo kann man den den Text der genannten Dokumentation mit den 250 Vorschlägen auf 8 Seiten nachlesen?

    Sie sind eventuell hilfreich für uns Leser dieses Blogs, die an der Entwicklung der GEMEINDE (noch) interessiert sind – und sollten nicht in einer „Wortwolke“ nur optisch entschwinden.

    Alexa von Zotwitz

  2. Sehr geehrter Herr Präses, nur eine kleine Anmerkung:
    Ist es nicht so, dass es ‚DIE BIBLISCHE Botschaft‘ nicht gibt?! Vorschlag: Lieber, wie der Apostel Paulus, vom „Evangelium von Jesus Christus“ sprechen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrich Keßler

  3. Sehr geehrter Präses Rekowski,
    vielen Dank für die tolle Idee mit der Wortwolke. Wie erfreulich, wenn sich aus einer Fülle guter Gedanken, mutmachende Wortinseln entwickeln.
    Kirche ohne Gemeinde – das geht gar nicht – das haben Sie als Kirchenleitender im Dialog mit den Menschen bekräftigt.
    Und die Sache mit der kirchlichen Präsenz im Netz ist dennoch gar nicht so schlecht …
    Herzliche Grüße
    Martin Kaminski

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