Ramadan: So stelle ich mir das friedliche Miteinander vor

28. Mai 2019 von Manfred Rekowski

Ramadan
Ramadan

Eine wertvolle Begegnung im Ramadan: Gestern Abend habe ich bei Familie Okumuşoğlu in meiner Nachbarschaft am Fastenbrechen teilgenommen. Was mir im Zusammenleben wichtig ist, habe ich dort an einem reich gedeckten Tisch bei zugewandten Menschen erlebt: dass Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit einander begegnen, miteinander reden und respektvoll umgehen. Ich erlebte außerordentlich große Gastfreundschaft. Wir sprachen intensiv über das, woran wir glauben, und auch über das Zusammenleben in unserem Stadtteil.

Ich selbst bin ja als Kind als Aussiedler aus Polen in die Bundesrepublik gekommen. Gerade deswegen hat mich der Austausch über unsere jeweiligen Integrationserfahrungen sehr beeindruckt. Manches, was ich hörte, hatte ich so nicht erwartet: zum Beispiel, dass muslimische Kinder durchaus gerne auch konfessionelle – also evangelische oder katholische – Grundschulen besuchen.

Das war ein guter Abend mitten im Leben. Danke, liebe Gastgeberinnen und Gastgeber für die Gastfreundschaft und das ehrliche Interesse aneinander. So stelle ich mir das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen vor.

5 Antworten auf „Ramadan: So stelle ich mir das friedliche Miteinander vor“

  1. „völlig arglos“ = nichts Böses ahnend,

    im Gegenteil :

    „argwöhnisch“ = s.a.bei wikipedia

    Ich erlebe das Kopftuch islamischer Frauen als ihren Schutzraum vor Machismen, weil sie sich als verletzlich empfinden. Eine Ich-Botschaft.

    Die deutsche Ablehnung des Frauen-Kopftuches argwöhnt oftmals ein feindseliges religös-politisches Motiv – wie bedauerlich. Eine Du-Botschaft.

  2. Lieber Pfarrer Reimann,
    das Tragen des Kopftuchs wird in der momentanen Situation als ein deutliches Bekenntnis zum Islam verstanden. Dieses Bekenntnis findet sich nun auf der Webseite des leitenden Repräsentanten unserer Kirche. Ein adäquates christliches Bekenntnis hingegen ist für den Betrachter nicht zu erkennen.
    Das bloße „Reden über“ in den Rang eines „Kernauftrags von Kirche“ zu erheben, erinnert ein wenig an „gut, dass wir (intensiv!) darüber gesprochen haben“. Den Anforderungen an ein christliches Bekenntnis genügt es in diesem Zusammenhang gewiss nicht.

  3. Lieber Pfarrer Pohl,
    Präses Manfred Rekowski besucht eine muslimische Familie in seiner Nachbarschaft. Im Blog beschreibt er, was ihm wichtig ist und er an diesem Abend erlebt hat, nämlich dass „Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit einander begegnen, miteinander reden und respektvoll umgehen.“ Und weiter: „Wir sprachen intensiv über das, woran wir glauben, und auch über das Zusammenleben in unserem Stadtteil.“

    Menschen aufsuchen, ob sie den eigenen Glauben teilen, einen anderen haben oder gar nicht glauben, und mit ihnen über Glauben sprechen, ist Kernaufgabe von Kirche und nicht „Selbstaufgabe der Kirche“, wie Sie schreiben.

  4. Gewiss tragen gutnachbarschaftliche Beziehungen zum friedlichen Miteinander bei.
    Und natürlich darf man davon ausgehen, dass die beiden Trägerinnen ihre Kopfbedeckung auf dem Foto völlig arglos anhaben. Doch in einem Kontext wie diesem verliert das Bild alle Unschuld. Es wird zur (kirchen-)politischen Aussage.
    Es zeigt einen hohen kirchlichen Repräsentanten, doppelt gerahmt von einem der Hauptsymbole des aktuellen politischen Islam, ohne dass inhaltlich oder durch ein Symbol eine religiöse Unterscheidung markiert wird. Sollte diese Darstellung anders als im Sinne einer Selbstaufgabe der Kirche „um des lieben Friedens Willen“ gedeutet werden, wäre ein ausdrücklicher Hinweis darauf hilfreich gewesen.
    Ohne eine solche Klarstellung wird das Bild bei vielen, die der Kirche verbunden sind, Irritation, wenn nicht gar Empörung hervorrufen. Ob es von daher geeignet ist, ein geklärtes und friedliches Miteinander innerhalb der Kirche zu fördern, darf bezweifelt werden.

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