Rassistische Gesinnung aufdecken

23. März 2019 von Manfred Rekowski

Demo am 19. Januar 2015 gegen Dügida (PEGIDA) in Düsseldorf. Im Bild: Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Foto:' Sergej Lepke
Präses Manfred Rekowski spricht auf einer Demonstration gegen Rassismus (Foto: Sergej Lepke)

Anschläge, Terrorismus, Blutvergießen, Unschuldige sterben.  Bald täglich hören wir davon. Der rechtsradikale Terrorist von Christchurch hat seine Mordanschläge auf Muslime mit abstrusen Verschwörungstheorien begründet. Wir müssen wahrnehmen, dass längst ein weltumspannendes Netz rechtsextremer Gesinnung gibt, in dem ein offener Rassismus gepredigt wird. Das ist besorgniserregend und ruft zur Reaktion und zum Widerspruch auf.

Als Christ  orientiere ich mich an den Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens. Seit den Anfängen glauben Christenmenschen, dass alle Menschen vor Gott gleich sind. In jedem Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Kultur und Religionszugehörigkeit erkennen wir ein Geschöpf Gottes, dem in gleicher Weise Wert und Würde zukommt. Deshalb sind wir herausgefordert, allen Menschen, die von Rassismus und Gewalt bedroht sind, solidarisch beizustehen. Die christliche Botschaft taugt nicht für Rassismus.

Diese fundamentale Grundüberzeugung ist allerdings immer wieder verraten worden, sowohl in der Kirche als auch außerhalb. Was das Netz rechtsextremer Verschwörungstheorien im Untergrund verwebt, beginnt an der Oberfläche im Kleinen, in sprachlichen Wendungen etwa, die scheinbar so harmlos in den Raum geworfen werden. Es ist da beispielsweise vom christlich-jüdischen Abendland die Rede oder von angestammter Bevölkerung, von Staatsvolk oder von Umvolkung. Unsere Aufgabe ist es, die Wurzeln rassistischer Gesinnung aufzudecken.

Worte kommen zunächst harmlos daher, anders als Bilder von Anschlägen auf Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Flüchtlingsheimen. Wir müssen der rassistischen Sprache mit klaren Argumenten begegnen und den Bildern Ansichten der Menschlichkeit entgegensetzen. Die entstehen etwa, wenn wir Menschen, die von Rassismus und Gewalt bedroht sind, solidarisch beistehen. Das gebietet die Vernunft, das fordert der christliche Glaube.

4 Antworten auf „Rassistische Gesinnung aufdecken“

  1. Von Rassismus reden nur linksliberale Ideologen… Mit Verlaub, das ist doch keine evangelische Kirche mehr, das ist eher eine NGO, die sich ein christliches Mäntelchen umgehängt hat.

  2. Seinen politischen Vorurteilen ein christliches Mäntelchen umzuhängen, schafft eher neue Probleme, als dass es zweifellos vorhandene löst. Weder das „Christliche Abendland“ noch das „Staatsvolk“ sind rassistisch – es sei denn, man wollte das Grundgesetz, das der Regierung den Eid auferlegt, zum Wohle des deutschen Volkes zu wirken, oder die Feststellung, man sei Christ, jeweils als rassistisch brandmarken. Dann meint „Rasse“ wohl alles, was einem gerade nicht passt, und wird zum ignoranten Totschlagsargument.
    Hier herrscht Begriffsverwirrung, und das umso mehr, als die Gleichheit der Christen vor Gott in der EKiR ja z.B. mit 75 Jahren (Altersgrenze der Kirchenordnung) endet, was man gut als „Altersrassismus“ (Isabella Rossellini) bezeichnen könnte – davon abgesehen verstößt diese die Menschenwürde verletzende Regelung ebenso gegen die Willkürverbote von Grundgesetz und Landesverfassung wie – mittelbar – gegen die Charta der Grundrechte der EU. Offensichtlich hat die EKiR vergessen, dass sie eine Körperschaft öffentlichen Rechts und als solche an die Verfassung und Rechtsordnung (siehe Art. 137 Weimarer Reichsverfassung, der noch heute gilt) gebunden ist und für sich die Religionsfreiheit in Anspruch nimmt, die ihrerseits ein von der Verfassung gewährtes Grundrecht ist.
    In der Tat: Die christliche Botschaft taugt nicht zum Rassismus, aber auch nicht zu politischer Propaganda.

  3. Stehen denn diejenigen, die allein schon das Wort „christliches Abendland“ benutzen, gedanklich in der Nähe des Attentäters von Christchurch? Ich kann ihre Gedanken nur vermuten aus ihren Worten.

    Amokläufer, auch in Deutschland, sind krank.
    Erst wenn sich nicht alle darüber einig sind, wird aus einem Amoklauf ein Terrorakt.

    Und dieser Terrorakt steht dem Christlichen im Abendland (der Päpste), im Morgenland (der Urchristen) und anderswo und überall genau entgegen.

    Ich fürchte Tendenzen, in denen das kranke für normal gehalten werden könnte.

  4. Kein Wort der Trauer.
    Kein Wort der Betroffenheit oder der Scham.
    Kein Wort des Gebets.
    Dafür politische Forderungen. Und eine Schuldzuweisung: Diejenigen, die allein schon das Wort „christliches Abendland“ benutzen, stehen gedanklich in der Nähe des Attentäters von Christchurch.

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