Von Pluralität und roten Linien

6. Januar 2017 von Manfred Rekowski

Verschiedentlich habe ich mich dafür ausgesprochen, dass die Auseinandersetzung mit der AfD und den von ihr vertretenen Positionen auch von unserer Kirche aktiv geführt wird. Insofern habe ich die Einladung der Nachrichtenagentur idea zum Streitgespräch mit Frau Petry angenommen. Eine redaktionelle Nachricht über dieses Doppelinterview hat idea vorab schon auf seinem Internetauftritt veröffentlicht.

Für mich ist klar:

Wann und wo immer Positionen vertreten werden, die der christlichen Botschaft widersprechen, obwohl das Etikett „christlich“ benutzt wird, ist der Widerspruch unserer Kirche gefordert. Es geht nicht darum, dass Christinnen und Christen, die sich auf das Evangelium des menschgewordenen Gottes beziehen, nicht über die jeweiligen politischen Konsequenzen streiten könnten. Als reformatorische Kirche, die kein Lehramt kennt, setzen wir auf das vom Evangelium geschärfte Gewissen der Menschen. Deshalb gibt es bei uns in ethischen Fragen Pluralität. Doch es gibt auch „rote Linien“:

  • Aus dem universalen Evangelium darf keine national begrenzte Religion werden. Das ist die Erkenntnis aus unserer eigenen oft bitteren Geschichte. Die Botschaft Jesu Christi gilt allen Menschen in gleicher Weise. Christus taugt nicht ansatzweise als Kronzeuge nationaler Identität.
  • Eine Infragestellung oder Relativierung der Gleichwertigkeit aller zum Ebenbild Gottes geschaffener Menschen widerspricht christlicher Grundüberzeugung.

In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 heißt es: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“. Das ist ein maßgebliches Bekenntnis unserer Kirche. Die AfD bekennt sich jedoch in ihrem Grundsatzprogramm zu einer deutschen Leitkultur. Das ist etwas völlig anderes.

Martin Luther sagte: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Christinnen und Christen sind, so verstehe ich den Reformator, also in der Gottesbeziehung befreit, aber in der Pflicht gegenüber dem Nächsten gebunden. Wer die Pflicht gegenüber dem Nächsten aufkündigt, der tritt aus der Gemeinschaft der Glaubenden heraus.

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