Ich wünsche Ihnen beseelte Ferientage

27. Juli 2019 von Manfred Rekowski

Ich verbringe in diesem Jahr meinen Sommerurlaub in Masuren, wo ich geboren wurde. Schon Tage vorher hatte ich mich darauf gefreut, so wie andere auch auf ihre Ferien. Endlich einmal wieder die Seele baumeln lassen, diesen Wunsch hörte ich oft, wenn das Gespräch auf den Urlaub kam. Aber was baumelt da eigentlich? Und woran baumelt es? Lässt sich die Seele einfach so auf- und abhängen, wie eine Schaukel an einem Ast?

Gefunden habe ich das Bild von der baumelnden Seele abseits der Reisemagazine und Wellnessbroschüren in einem Text von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1926. In einer bissigen Satire beschreibt er „unwirsche Norddeutsche, Sachsen, als Diroler verkleidet“, die den Urlaub in Bayern verbringen. Die Gesichter der Männer sind vorne an kleine Tonnen befestigt, die sie auf dem Hals tragen. Und die Frauen? „Alles baumelt an ihnen, auch die Seele.“ Sie tragen die Seele zu Markte wie ihren Schmuck und das sonstige gesamte Outfit.

Auch wenn sich manche im Urlaub heute noch verhalten wie auf einem Laufsteg und sich eher als Kleiderständer denn als Persönlichkeit gebärden – das Bild von der baumelnden Seele dürfte den meisten seltsam vorkommen, wenn sie es wörtlich nähmen. Denn die Seele, das bin doch ich selbst, unauflösbar verbunden mit meinem Körper. Wenn ich mit den Füßen durchs Wasser gehe, dann erfrischt das auch die Seele. Und wenn die Seele sich freut, dann erbaut das wiederum den Körper. Für einen erholsamen Urlaub gilt, was der Dichter Paul Gerhardt einst so in Sprache fasste: „Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön, dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beseelte Tage, wo immer Sie diese verbringen.

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