Immer wieder neu anfangen

28. Dezember 2019 von Manfred Rekowski

Regen
Regen

Haben Sie schon einmal gebüßt? Wenn Sie jetzt an schlechtes Gewissen, Sündergewand und christliche Moralvorstellungen denken, dann trifft es den Kern dessen, was mit Buße gemeint ist, nicht. Buße hat in der Bibel zwar immer auch mit Reue zu tun, aber sie ist gar nicht so moralisch gemeint, wie viele denken: Buße ist vielmehr etwas ganz und gar Lebenspraktisches. Sie meint Umkehr, und das ganz handfest. „Du sollst Dein Leben ändern“, ist die biblische Devise.

Dass die Kirchen ein falsch verstandenes Verständnis von Buße gefördert haben, verdeutlicht ein Witz, den ich beim Publizisten Josef Joffe gelesen habe: Weil die Menschen seine Schöpfung schlecht behandeln und es nicht einmal schaffen, menschlich miteinander umzugehen, hat Gott beschlossen, eine Sintflut zu schicken. Er macht das aber nicht heimlich, sondern benachrichtigt den Papst, einen evangelischen Bischof und einen Rabbiner. Und hier sind die Reaktionen der drei: Der Papst startet angesichts des nahen Endes einen Aufruf: „Geht in Sack und Asche und tut Buße.“ Der evangelische Bischof fleht zum Himmel, nur noch das Bitten um Gnade könne das Unglück abwenden. Der Rabbiner dagegen ermutigt dazu, unter Wasser leben zu lernen, schließlich bleiben ja noch 72 Stunden. Genau das ist die Buße, zu der Jesus aufruft: Kehrt um, ändert euer Leben.

In diesen Tagen fassen viele von uns wieder einmal Vorsätze für das neue Jahr: mehr Zeit für die Familie, mehr Bewegung, klimafreundlicher leben … Sie kennen das. Oft halten die Vorsätze allerdings nicht lange. Das macht jedoch nichts, solange wir uns vor Augen halten: Man kann immer wieder neu anfangen. Schwimmen haben wir ja auch nicht an einem Tag gelernt.

Foto:Árni Svanur Daníelsson

3 Antworten auf „Immer wieder neu anfangen“

  1. Tatsächlich bin ich dann ja wohl Christ, weil sowohl die katholische Buße als auch die evangelische Bitte verraten, dass ich ein Bewußtsein habe zu meinen Fehlern. Hier wird Gott zum Strafenden.
    Moses und Jona riefen andere zur Umkehr.
    Noah wiederstand dem Lästern der Nachbarn und ging unbeirrt an`s Werk.
    Mit Jesus begann eine andere Zeit der inneren Haltung: gerecht nach außen, liebend zu allem und jedem, mit Gott in mir.
    Und natürlich bitte ich Gott um Gnade!

    Alles Liebe !

    Und wenn es um die Tagespolitik geht, dann gehe ich unbeirrt los, so gut ich es schaffe, auch wenn noch nicht alle Nachbarn mitmachen.
    Dann können eben nur noch Wohlhabende in Urlaub fliegen, wenn co2 verursachungsgerecht besteuert wird. Vor 30 Jahren war das auch ein Privileg.
    All das Verzichtsgerede geht um Luxus, nicht um Bedürfnisse.

  2. Nachdem ich 25 Jahre nichts vom Glauben wissen wollte auf Grund von Erfahrungen in einem streng Sünden-und Busse , Sack-und Asche gehenden und verlangenden familiären und kirchlichen Umfeld, habe ich mich seit zwei Wochen aus einem Bedürnis heraus, wieder dem Glauben zugewandt.So kommt Ihr Text gerade zur rechten Zeit

  3. Genau das ist der Schlüssel zur Hoffnung, die Mensch gewordene Kirche zu ertragen !!!
    Die Pfaffen waren immer die Handlanger,

    der durch Lüge und Gewalt erstandenen Obrigkeit !! Kirche unterm‘ Hakenkreuz und im Sozialismus und immer noch !!
    Ja , ich in der Zelle , in der Gafangenschaft mit meiner kindlichen Seele zumGlauben an den einen Gott gefunden .(Stasiakte Bstu, Jürgen Kurt Wenzel )
    Später die Erkenntnis , der ev . Seelsorger im Zuchthaus Brandenburg war das Weltliche . Stasi !
    Und die aus dem Hause Gisy , Kasner und all die ge und unenttarnten warscheinlich über unsere Tage bis zum jüngstem Gericht !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.