Kohleausstieg: Zukunft gewinnen wir im Dialog

31. Januar 2019 von Redaktion

Braunkohleabbau
Braunkohleabbau

Der Grundstein ist gelegt – es gibt den Einstieg in den Ausstieg aus der Kohleverstromung – für den Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Die Arbeit der Kohlekommission war erfolgreich. Sagen übereinstimmend alle, die hier über Monate aufeinander gehört und miteinander gesprochen haben. Die Ziele sind definiert, ein gangbarer Weg ist beschrieben: Der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohleverstromung als Meilenstein für den Klimaschutz und damit für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist möglich und alle Seiten wollen ihn.

Jetzt liegt es an der Umsetzung: Aus dem Wunsch, den Hambacher Wald zu erhalten, muss Wirklichkeit werden. Projekte für die Transformation der alten Reviere in eine Landschaft mit zukunftsfähigen Beschäftigungsangeboten und einer entsprechenden Infrastruktur müssen identifiziert und auf den Weg gebracht werden. Die unmittelbar von Stilllegung von Anlagen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen konkrete Angebote und Unterstützung für ihre weitere Berufs- und Lebensplanung.

Die Kohlekommission hat gezeigt: Auch in einer globalisierten Welt, in der man gelegentlich das Gefühl hat, dass man den Überblick verliert, sind wir als Gesellschaft in der Lage, große Fragen mit weit auseinander liegenden Interessen zu beantworten. In großer Sachlichkeit, mit Augenmaß für die Prozessgeschwindigkeit und in solidarischem Miteinander. Das ist eine klare Ansage für gestaltende Politik wie für Populisten. Zukunft gewinnen wir nicht durch Rückzug auf das eigene, sondern im offenen – durchaus auch streitbaren – Dialog mit dem anderen.

8 Antworten auf „Kohleausstieg: Zukunft gewinnen wir im Dialog“

  1. Lieber Herr Weßler, vielen Dank für die Klarstellung und das „ernste“ Wort. Ich teile Ihre Ansicht.
    Im übrigen machte mich kürzlich ein Satz Karl Barths nachdenklich, der sagte: „Eine Kirche, die aus lauter Angst, nur ja von keinem ‚Kotflügel‘ gestreift zu werden, nur ja nicht in den Schein zu kommen, Partei zu ergreifen, nie und nimmer Partei zu sein sich getraut, sehe wohl zu, ob sie sich nicht notwendig nun wirklich kompromittiere….“

  2. Ich meinte es ernst, dass für mich die Frohe Botschaft und damit die bescheidene Verwendung der Recourcen zum aktuellen Nutzen der Schöpfung vielfach über den Auffassungen der Financal Times steht. Ich freue mich über ein frühes Ende des Braunkohleabbaus, halte das nicht für dumm sondern für weise und bleibe im Übrigen evangelisch. (Wir könnte ja mal Cerosin besteuern (Verursacherprinzip)!)

  3. „Vater, vergib Ihnen …“
    Die nicht wissen, was sie taten, waren Spieler die Wertsachen eines anderen unter sich verteilten, als der durch ihre Hand zu Tode kam; Plünderer.

  4. Schön, dass die Kirche immer wieder glaubt, zu schwierigen politischen Grundsatzfragen Stellung nehmen zu sollen, obgleich sie niemand dazu ermächtigt hat. Im 19.Jh. hat eine Kirchenleitung von den Kanzeln herab verlesen lassen: „Aufgabe des Pfarrers ist es, die Gemeinde im Geiste des HErrn zu einen, nicht, sie im Sinne der Parteien zu spalten“ – scheint heute nicht mehr zu gelten. Mit der Umweltkeule geht man auf jeden los, der Bedenken äußert, wenn gleichzeitig die Sicherheit der Energieversorgung, die Tätigkeit der Landwirtschaft, die Sicherheit der Altersversorgung und die Quelle unseres Wohlstandes, die Sicherheit der industriellen Arbeitsplätze, preisgegeben werden sollen. Da kann man – auch auf die Gefahr hin, sich unbeliebt zu machen – schon mal an Lukas 23,34 denken („Vater, vergib ihnen…“).

  5. Dieses Thema ist so wichtig, dass es eine aufrichtige Debatte verdient. Sarkasmus ist fehl am Platze – oder habe ich da jemanden missverstanden? Dann möge man es mir nachsehen. Bloggen kann eben leider das echte Gespräch nicht ersetzen. Das findet jetzt hoffentlich intensiv an anderen Orten, nämlich in der Öffentlichkeit, in Gemeinden und Kirchenkreisen statt.

    Zum Thema: Ich denke, wir haben viel zu lange gelebt als wäre alles in bester Ordnung. Nun wachen wir auf, auch deshab, weil ernsthafte und nachdenkliche junge Leute sagen, was sie sehen. Sie fragen, wieso man eigentlich weiterhin einer Wirtschaftslogik trauen soll, die bisher keine überzeugenden Lösung zum Erreichen der Klimaziele gegeben hat. Und sie hinterfragen mit Recht, in welchen Zeiträumen die heute Verantwortlichen – meine Generation – eigentlich denken und planen.

    Wie man den Umstieg auf eine nachhaltige Stromgewinnung so schaffen will, dass die Geringverdiener in der Gesellschaft nicht die Notleidenden sind, finde auch ich einen wichtigen Hinweis. Den Aspekt einer sozial verträglichen Umsetzung des Strukturwandels dürfen wir nie aus den Augen verlieren.

    Trotzdem denke ich, es wäre unredlich zu sagen, eine Energiewende hätte keinen Preis. Manches wird in Zukunft teurer werden, vermutlich auch der Strom. Aber: Angemessen vergütete Altenpflege wird ja auch teurer! Die Vorstellung man könne ressourcen-schonend und sozial-gerecht leben, ohne auf irgend etwas zu verzichten, halte ich für illusionär. Wir wirtschaften und konsumieren ja bisher vielfach unter Ausblendung der Folge- und „Ewigkeitskosten“, die bei unseren Nachkommen auf der Rechnung stehen werden.
    Wenn wir nicht im wahrsten Sinne des Wortes „umkehren“ – und damit meine ich ein grundsätzliches Umdenken in Bezug darauf, was wir wirklich brauchen und was das kosten darf – , werden die nächsten Generationen einen Preis zahlen, für den keiner von uns haftbar sein möchte.

    Mir geht bei der ganzen Thematik ein Jesuswort nicht aus dem Kopf: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man auch viel suchen.“ Lukas 12,48

    Wir hier in Zentraleuropa sind dermaßen reich an wirtschaftlichen Gütern und an Kompetenzen, nicht zuletzt im Bereich Wissenschaft, Technik, soziale Organsation; wir leben bei allem, was man kritisieren kann, so sicher und wohlausgestattet wie die Menschen in wenigen anderen Teilen der Welt. Was für Privilegien und was für Chancen! Angesichts dieser „Talente“ darf man von uns auch erwarten, dass wir uns bewegen und erfinderisch werden. Und wir als Christinnen und Christen müssen uns doch auch fragen: Ist unser Glaube eigentlich noch visionär?

  6. Ja, genau, wenn die Vertreter des Mammon von Dummheit reden, dann kann der Weg nur richtig sein. Wen wollen wir regieren lassen?

  7. Lieber Herr Rekowski, ich finde die hier geäußerten rot-grünen Statements großartig. Wenn das „Wall Street Journal“ am 29.01.2019 von der „Welt dümmsten Energiepolitik“ spricht, so muss das uns nicht kümmern. Denn wir haben die evangelische Kirche auf unserer Seite und wissen es daher besser!

  8. Hoffentlich haben alle Beteiligten alles gut überlegt. In keinem Fall dürfen sich wegen des Ausstiegs die Strom-Verbraucherpreise erhöhen!! Ulrich Hoffmann

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