Lasst uns künftig Menschen selbst schaffen?

27. November 2018 von Manfred Rekowski

Genmanipulation
Genmanipulation

Erstmals soll ein chinesischer Wissenschaftler eine der grundlegenden Tabugrenzen der Bioethik überschritten haben: der Eingriff in die menschliche Keimbahn. Der Forscher He Jiankui von der Southern University of Science and Technology in Shenzen hat  – so berichten es Nachrichtenagenturen  – bei kürzlich geborenen Zwillingen ein Genom verändert. Durch eine „Genschere“ – in der Fachsprache auch Crispr-Cas genannt, hat er bestimmte Teile eines Genoms herausgeschnitten  und ersetzt. Dieser Eingriff soll  die Immunität der Kinder vor dem HIV-Virus sicherstellen, an dem ihr Vater erkrankt ist.

Der Eingriff in die Keimbahn des Menschen ist bis jetzt lediglich ein Gedankenspiel in ethischen und wissenschaftlichen Debatten und in Science fiction, nun betrifft er zwei konkrete Menschen. Wird  ihr künftiges Leben als Teil eines Experiments missbraucht? Doch nicht nur diese beiden sind von dem Eingriff betroffen, sondern auch ihre Nachkommen. Mögliche Folgen sind noch gar nicht zu überschauen. Folgewirkungen zeigen sich vielleicht erst in einigen Jahrzehnten oder auch erst in folgenden Generationen.

Eintreten für unsere Überzeugungen: Keine Experimente mit Menschen

Der Tabubruch ist gravierend. Doch was können wir jetzt tun? Ein Verbot lässt sich kaum durchsetzen oder gar überwachen. Die biologischen Technologien sind relativ leicht verfügbar, kleinere und mobile Labors reichen aus. Sollen wir also die Achseln zucken und uns damit abfinden, dass nichts zu ändern sei? Nein, sage ich, wir müssen für unsere Überzeugungen eintreten: Der Mensch kann sich nicht selbst  erschaffen, ohne damit seine eigene Würde zu gefährden. Immer dann, wenn sich Staaten, Sekten und auch Wissenschaftler auf den Weg gemacht haben, den neuen Menschen auszurufen, ist das gründlich schief gegangen und hat viel Leid ausgelöst. Jeder Mensch hat eine  unverwechselbaren Geschichte, sie ist unverfügbar. Ein Mensch darf nicht zum Gegenstand eines Experiments werden. Das Leben ist vielmehr ein Geschenk. Christinnen und Christen sagen: Das Leben ist ein Geschenk Gottes.

Eine entscheidende Frage ist, wie sich die weltweite Gemeinschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verhalten wird. Eine Nachricht lässt aufhorchen: Die Universität, an der He Jiankui arbeitet, hat sich offenkundig ebenso wie viele chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von dem Experiment distanziert. Auch die weltweite Gemeinschaft der Religionen, der Wissenschaftsinstitutionen und der politischen Bündnisse sind gefragt, eindeutig Stellung zu beziehen, dass hier eine rote Linie überschritten wurde und Forschung in dieser Richtung abzulehnen ist.

Vor einem Missbrauch der Biotechnologien gibt es kaum Schutz. Immerhin ist es bei der Frage des Klonens von Menschen gelungen, eine Ablehnung auf breiter internationaler Basis zu organisieren.

Es bleibt zu hoffen, dass die Zwillinge behütet aufwachsen, ein unbelastetes Leben führen können und sich eines Tages nicht als Versuchsobjekt eines überheblichen Experiments wiederfinden und missbraucht fühlen.

Eine Antwort auf „Lasst uns künftig Menschen selbst schaffen?“

  1. Ich schaue auf ein Baby, das natürlich meinen Schutzinstinkt weckt.
    Daraus wird ein Erwachsener, ein alter Mensch, von dem nicht gesagt werden kann, ob er „besser“ ist ?

    Bekommen diese Menschen-Menschen alle Rechte und Pflichten der anderen Natürlichen ?

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