Warten auf Weihnachten

22. Dezember 2018 von Manfred Rekowski

Adventskranz
Adventskranz

Im Dezember heißt es: warten. Auf das Schokoladenstück, das erst am nächsten Morgen wieder aus dem Papptürchen fällt. Auf den Nikolaus, der irgendwann des Nachts die bereitstehenden Schuhe befüllt. Auf den vielgeprobten Auftritt im Krippenspiel oder Oratorienchor, den ersten Schnee, den Weihnachtsmann oder – je nach Lokalkolorit – das Christkind. Gut so, sagen Psychologen. Beizeiten warten zu lernen, wappnet fürs Leben.

Für dieses aufgeregt gespannte Warten, das Kribbeln im Bauch, verbunden mit der Ahnung, dass sich etwas Wunderbares ereignen könnte, haben wir ein Wort: Vorfreude. Sie ist die sprichwörtlich schönste Freude – und gesund, sagen Mediziner. Sich auf etwas zu freuen, stärkt das Immunsystem.

Kurz: Warten macht glücklich, spitzt ein Philosoph unserer Tage zu. Angenommen, das stimmt, dann ist heute und morgen und übermorgen glückliche Zeit. Denn „Freue dich, Christkind kommt bald.“, wie es in dem vorweihnachtlichen Kinderlied „Leise rieselt der Schnee“ heißt. Mit der Geburt des Christuskindes kommt Gott selbst zu uns. Mit Jesus von Nazareth kommt eine menschenfreundliche, liebevolle, lebenswertere Wirklichkeit in die Welt. Ein Anfang ist gemacht. Doch Christenmenschen bleiben Wartende, über den Heiligen Abend hinaus, ja, ein Leben lang. Weil sie seit Weihnachten eine Ahnung haben von einer anderen, besseren, gerechteren Welt. Von Christus, dem Friedensbringer und Hoffnungsträger, haben sie immer noch viel zu erwarten.

Deshalb: Verlieren Sie den tieferen Sinn des Wartens nicht aus dem Blick, wenn Sie sich heute ungeduldig mit randvollem Einkaufswagen in die lange Schlange an der Supermarktkasse einreihen, wenn Sie mit ungezählten anderen auf den letzten Drücker Geschenke besorgen. Halten Sie kurz  inne und singen oder summen Sie diese eine Zeile: „Freue dich, Christkind kommt bald.“ Ich wünsche Ihnen einen frohen vierten Advent.

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