Woher kommt mir Hilfe? Psalm 121, überflutet

21.7.2021

Thorsten Latzel

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ Sperrmüllberge, soweit das Auge reicht. Wie verabredet, doch von niemand bestellt. Häuser, von innen nach außen stülpen. Ganze ...

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?“

Sperrmüllberge, soweit das Auge reicht.

Wie verabredet, doch von niemand bestellt.

Häuser, von innen nach außen stülpen.

Ganze Menschenleben auf der Straße.

 

„Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.“

Hilfe ist hier handfest: Schaufeln, Putzlumpen, schweres Gerät.

Segen hat zwei Worte: „Viel Kraft!“ Was soll man mehr sagen?

Für die großen Fragen von Himmel und Erde ist keine Zeit.

 

„Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.“

Wasser, die Schlamm sind. Ohne Halt.

30 cm reichen, um drin zu sterben.

Zuerst reißt er als Walze alles mit.

Später, getrocknet, lässt er nichts mehr los.

 

„Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.“

Auch in der Kirche: Schlamm bis zum Rand des Altars.

Die Bibel, verschont, liegt aufgeschlagen vom letzten Sonntag,

11. Juli, 6. Sonntag nach Trinitatis: Taufsonntag.

 

„Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.“

Die Sonne brennt: Schönes Wetter, als wäre nie etwas gewesen.

Nachts sticht der Mond. Wenn das Funktionieren aufhört und die Gefühle kommen. Glücklich, wer dann eine Hand hat.

Zum Festhalten, zum Gehalten-Sein.

 

„Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.“

Übel sind der Schmutz, Geruch, die zerstörten Leitungen.

Wer fließend Wasser, Strom, gar Telefon hat, ist reich.

Und gesegnet, wessen Seele keinen Schaden nimmt.

 

„Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!“

Aus- und Eingänge sind zerstört, überall.

Was heißt hier Ewigkeit?

Die Schäden werden weg sein, irgendwann.

Doch die Flut wird bleiben. Eingegraben in der Erinnerung.

 

(Psalm: Dr. Thorsten Latzel)

 


Theologische Impulse (99) von Dr. Thorsten Latzel, Präses

Weitere Texte: www.glauben-denken.de

Als Bücher: https://praesesblog.ekir.de/inhalt/theologische-impulse-als-buecher

Foto: Andrea Stenzel, Martin-Luther-Kirche, Bad Neuenahr

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.